Selbstverordneter Rückzug

Stiftung Gesundheit: Dr. Peter Müller gibt Vorstandsvorsitz ab

Der ehemalige Medizinjournalist Dr. Peter Müller ist seit vielen Jahren das Gesicht der Stiftung Gesundheit. Jetzt hat er seinen Posten als Vorstandsvorsitzender aufgegeben, weil er seinen eigenen Regeln folgen muss.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht:
Dr. Peter Müller: Mit 60 kann er kein Vorstandsvorsitzender mehr sein – er wird Vorsitzender des Stiftungsrates.

Dr. Peter Müller: Mit 60 kann er kein Vorstandsvorsitzender mehr sein – er wird Vorsitzender des Stiftungsrates.

© Dirk Schnack

Hamburg. Die Stiftung Gesundheit ist vielen niedergelassenen Ärzten in Deutschland ein Begriff: Sie betreibt etwa die Arzt-Auskunft, zertifiziert Print- und digitale Produkte aus dem Gesundheitswesen, veröffentlicht Studien über den Gesundheitsmarkt und erstellt zwei Mal jährlich den Medizin Klima-Index (MKI), der die Stimmung im ambulanten Sektor abbildet. Die Stiftung und ihre Dienstleistungen sind bekannt, die Menschen hinter ihr weniger. Der Stiftungsgeber ist bis heute unbekannt.

Für die Öffentlichkeit stand stets der frühere Medizinjournalist Dr. Peter Müller als Person für die Stiftung, zunächst als Pressesprecher und seit 2004 als Vorstandsvorsitzender. Mitte August endet seine Amtszeit aus Altersgründen – weil er 60 Jahre alt geworden ist und er mit Anfang 30 selbst dafür gesorgt hatte, dass diese Altersbeschränkung in der Satzung verankert wurde.

„Sonstiges“ als neue Funktion?

Jetzt, wo ihn diese Regelung einholt, steht er dazu. „Zugegeben, das ist eine sehr pauschale und grobschlächtige Regelung, aber es gibt schlimmere“, sagt er im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Sie zu akzeptieren fällt ihm nicht nur leicht, weil er sie damals selbst vorschlug. Er übergibt das Amt auch gerne, weil er die Verantwortung für das operative Geschäft in der Hamburger Behringstraße bei seinem Nachfolger Christoph Dippe in guten Händen weiß, dieser schon eingearbeitet wurde und weil Müller der Stiftung nicht den Rücken kehrt. „Ich werde weiter jeden Tag für die Stiftung tätig sein, künftig als Vorsitzender des Stiftungsrates“, berichtet Müller.

Ich gehe im Arbeitspensum von 150 auf 100 Prozent.

Dr. Peter Müller, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Gesundheit

Welche geringe Bedeutung Posten und Statussymbole für ihn haben, zeigt sich mit der Erklärung, was unter der künftigen Tätigkeit zu verstehen ist: „Ich habe überlegt, ob auf der Visitenkarte als Funktionsbezeichnung „Sonstiges“ stehen sollte“. Wobei diese Bezeichnung seiner künftigen Rolle nicht gerecht werden könnte. Müller wird sich unter anderem mit langfristigen strategischen Fragen beschäftigen in einem Umfeld, das von hoher Dynamik gekennzeichnet ist.

Was aber treibt ihn an, sich auch nach 25 Jahren noch für die gleiche Sache einzusetzen? Müller erklärt dies mit der Geschichte von „Krebskind Olivia“. Ein an Krebs erkranktes Kind, dessen Eltern Mitte der 1990er Jahren nicht der Schulmedizin, sondern einem vermeintlichen Wunderheiler vertrauten. Weil Müller selbst ein vergleichbares Schicksal im engsten Freundeskreis erlebte, sind ihm valide Informationen aus der und über die Medizin bis heute wichtig. Sollten deshalb alle Gesundheitsinformationen vor Veröffentlichung einer Prüfung oder gesonderten „Zensur“ unterworfen werden? „Auf keinen Fall. Aber hilfreich wären Indikatoren, an denen sich Menschen orientieren können und die sie in die Lage versetzen zu wissen: Hier werde ich nicht betrogen.“

Um Gesundheitsinformationen für Laien zu prüfen, hat die Stiftung ein evidenzbasiertes Verfahren entwickelt. Zunächst für Ratgeberbücher und Broschüren, später immer häufiger für digitale Informationsangebote und für Arzt-Websites. Leitlinien des Prüfprozesses sind Methodenvielfalt, Methodentransparenz und Methodenkritik. Nicht die Lehrmeinungen, sondern die Transparenz ist ausschlaggebend.

Bietet dieses Verfahren denn nun Sicherheit vor Scharlatanerie und schließt Schicksale wie das von „Krebskind Olivia“ aus? Das wäre aus Müllers Sicht zwar wünschenswert, als Ziel aber „viel zu hoch gegriffen“. Die vielen Jahrzehnte im Medizinverlagswesen haben ihm gezeigt, wie viel Geduld oftmals erforderlich ist, um Fortschritte zu erzielen.

Fortschritte brauchen viel Geduld

Trotz dieser bisweilen mühsamen und langsamen Veränderungen erfassen die großen gesellschaftlichen Umbrüche das Gesundheitswesen früher oder später. Als Beispiel dient Müller die Digitalisierung. Ohne sie wären viele Prozesse etwa in der Datenpflege der Arztauskunft heute nicht leistbar – und damit eine der Kernaufgaben der Stiftung kaum vorstellbar. Mit der Digitalisierung gab es auch Fortschritte bei der Transparenz und damit beim wichtigsten Anliegen der Stiftung.

Müller will weiter dazu beitragen, nur in anderer Intensität und mit mehr Freiheiten. Er sagt: „Ich gehe im Arbeitspensum von 150 auf 100 Prozent“.

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