Gesellschaft

Windows Vista soll Computer sicherer machen

HAMBURG (dpa). Das neue Windows-Betriebssystem war eine schwere Geburt - und längst überfällig. Mit Windows Vista kommt am morgigen Dienstag nach mehr als fünf Jahren Entwicklungszeit und vielen Verspätungen erstmals ein Nachfolger von Windows XP auf den Markt.

Veröffentlicht: 29.01.2007, 08:00 Uhr

Das Softwarepaket ist eine komplette Neuentwicklung. Doch sowohl Experten als auch Microsoft selbst bezweifeln, dass Vista sofort reißenden Absatz finden wird. Denn der Speicherbedarf des neuen Produktpakets ist im Vergleich zu früheren Betriebssystemen und selbst zu aktueller Software immens. Das Gros der in den europäischen Betrieben und Haushalten stehenden Rechner dürfte diese Last kaum bewältigen.

Auf 90 Prozent aller neuen PC wird Windows Vista installiert

Das Hauptgeschäft werde das Unternehmen im ersten Jahr über neu verkaufte Personal Computer (PC) machen, schätzt Microsoft. Nach Hochrechnungen der Marktforscher von IDC dürften in diesem Jahr immerhin 90 Prozent aller verkauften PC mit Vista ausgestattet sein.

Das neue Betriebssystem will mit mehreren tausend Funktionen und einer komplett überarbeiteten grafischen Oberfläche mit dem Namen Aero für eine schnellere und optisch vereinfachte Verwaltung und Nutzung von Daten verschiedenster Art sorgen. Eine der augenfälligsten Neuerungen sind die neuen, transparent gehaltenen Fenster, die einen besseren Überblick über geöffnete Dokumente verschaffen sollen. Die Fenster können sogar in dreidimensionaler Ansicht dargestellt werden.

Phishing-Mails sollen schnell abgefangen werden

Wesentliche Neuerungen hat Microsoft der Sicherheit gewidmet. Mit neuen Schutzfunktionen gegen Spionagesoftware, Phishing-Mails (Trickbetrug im Internet) und Computerviren sowie individuell einstellbaren Zugangsbeschränkungen soll Vista nach Beteuerungen von Microsoft das sicherste Betriebssystem sein, das es je gab.

Auch die Suche nach Dokumenten oder Programmen soll Vista erheblich vereinfachen. So muss man zum Beispiel nicht mehr den exakten Namen eines Dokuments oder einer Bilddatei wissen, sondern kann nach einem beliebigen Begriff innerhalb des Dokuments suchen. Auch die Kommunikation mit anderen Geräten wie Organizer oder Handy soll mit Hilfe des Vista-Synchronisations-Centers einfacher als bisher sein.

So viele Neuerungen benötigen eine Menge Rechenleistung. Als absolute Grundausstattung für Vista empfiehlt Microsoft außer einer schnellen Grafikkarte einen Arbeitsspeicher von 512 Megabyte. Wollen Kunden nicht auf die Benutzeroberfläche Aero verzichten, benötigen sie einen PC mit mindestens einem Gigabyte Arbeitsspeicher und einen mindestens ein Gigahertz schnellen Prozessor. An Festplattenkapazität sollten für eine reibungslose Arbeit 40 Gigabyte frei verfügbar sein, rät die Fachzeitschrift "c‘t".

Vista kommt in fünf verschiedenen Ausführungen sowohl für den privaten als auch den professionellen Einsatz auf den Markt. Die Preise variieren zwischen 119 Euro und 499 Euro.



STICHWORT

Betriebssystem Windows

Die erste Version des Betriebssystems Windows ist im Jahr 1985 auf den Markt gekommen. Damit bot Microsoft Besitzern von IBM-kompatiblen PC erstmals eine grafische Benutzeroberfläche. Zuvor war die einfache Navigation mit der Maus und die Darstellung von Dateien als Symbolen auf der Bildschirmoberfläche Nutzern von Apple-Computern oder Rechnern wie Atari und Commodore Amiga vorbehalten.

Nennenswerten Erfolg erzielte Microsoft erst 1990 mit der Version 3.0 von Windows. Mit Windows 95 untermauerte der Software-Gigant 1995 sein inzwischen entstandenes Quasi-Monopol. Für Unternehmenskunden kam zuvor (1993) die Windows-NT-Version auf den Markt.

Heute läuft Microsofts Betriebssystem Windows auf weit mehr als 90 Prozent aller PC weltweit. Auch Alternativen wie das freie Betriebssystem Linux haben bislang an der überwältigenden Markstellung von Windows nichts ändern können.

Für die Entwicklung von Vista brauchte der Konzern fünf Jahre. Zwischenzeitlich musste Microsoft immer wieder große Sicherheitslücken in Windows XP stopfen.

Lesen Sie dazu auch: Praxis-EDV-Firmen nehmen Vista unter die Lupe

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