Coronavirusausbruch

134 Mitarbeiter im Coesfelder Schlachtbetrieb positiv getestet

Lockerungen werden im Kreis Coesfeld um einer Woche verschoben. Mit dem Ausbruch reißt der Kreis die definierte Obergrenze.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 08.05.2020, 18:47 Uhr
134 Mitarbeiter im Coesfelder Schlachtbetrieb positiv getestet

Karl-Josef Laumann, (CDU) Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, informierte am Freitagnachmittag über die aktuelle Lage zum Infektionsgeschehen im Kreis Coesfeld und den Maßnahmen der Landesregierung.

© Marcel Kusch/dpa

Düsseldorf. Im westfälischen Kreis Coesfeld wird ein großer Schlachtbetrieb nach einem Corona-Ausbruch vorübergehend geschlossen. In dem Betrieb waren 134 Mitarbeiter positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, Tendenz steigend. Damit hat der Kreis die von der Politik definierte Obergrenze von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner überschritten.

Als Konsequenz werden dort die ab 11. Mai vorgesehenen Lockerungsmaßnahmen um eine Woche verschoben, kündigte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor Journalisten in Düsseldorf an. Einzige Ausnahme sind Kitas und Schulen.

Alle Schlachthofmitarbeiter in NRW werden jetzt getestet

„Wir haben die Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen angewiesen, sämtliche Mitarbeiter einschließlich der Werksvertragsmitarbeiter in Schlachthöfen in Nordrhein-Westfalen zu testen“, berichtete Laumann. In dem Coesfelder Betrieb arbeiten viele Arbeitnehmer aus Rumänien und Bulgarien. Betroffen sind von der Testung 17.000 bis 20.000 Menschen. Die Gesundheitsämter werden die Sammelunterkünfte im Bereich der Schlachtindustrie begehen und auf Einhaltung der Vorgaben nach dem Infektionsschutzgesetz überprüfen, kündigte Laumann an. Vertreter des Arbeitsschutzes werden an den Begehungen beteiligt.

Das sei notwendig wegen der Befürchtung, dass die Strukturen in den Schlachtbetrieben gerade bei der Unterbringung der Werksvertragsmitarbeiter nicht den Hygienebedingungen entsprechen, die eine Pandemie erfordert. „Wir wollen ein klares Bild.“ Den Unternehmen würden die Maßnahmen wahrscheinlich nicht gefallen, ihnen seien die Hygieneanforderungen aber bekannt gewesen, betonte Laumann.

Für Laumann sind die Schlachthofmitarbeiter Opfer und keineswegs Schuldige

„Aufgrund des Infektionsgeschehens in zwei Schlachthöfen glauben wir, dass wir uns die Strukturen ganz genau anschauen müssen, das verlangt der Schutz der Bevölkerung.“ In einem weiteren Werk des Coesfelder Schlachtbetriebs in Oer-Erkenschwick im Kreis Recklinghausen haben sich 150 von 1250 Mitarbeitern infiziert.

Der Minister betonte, die Arbeitnehmer aus dem Ausland dürften jetzt nicht als Schuldige an der Infektionslage betrachtet werden. „Die Werkvertragsarbeitnehmer sind nach meiner Meinung Opfer dieser Entwicklung.“

Die umfangreiche Testung wird nach seinen Angaben nicht zu Problemen in anderen Regionen führen, sagte er. Zum einen habe das Land 70.000 Testungen auf Lage, zum anderen stelle das Landwirtschaftsministerium die Kapazitäten von Veterinärlaboren zur Verfügung.

Laumann sieht zurzeit in keinem weiteren Kreis des Landes die Gefahr, dass die Marke von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner gerissen werden könnte.

Unterbringung von Schlachthofmitarbeitern und Erntehelfern wird überprüft

Nach Angaben von Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) drohen wegen der Schließung des Betriebs in NRW keine Probleme bei der Fleischversorgung. Insgesamt gibt es nach ihren Angaben im bevölkerungsreichsten Bundesland 35 große Schlachtbetriebe, die pro Jahr 18 Millionen Schweine und 600.000 Rinder verarbeiten.

„Für uns ist das Wichtigste die Eindämmung des Ausbruchs und die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Heinen-Esser wies darauf hin, dass es bislang keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt, dass SARS-CoV-2 über Lebensmittel übertragen werden könnte. Die Ministerin kündigte an, dass man jetzt überall in NRW die Unterbringung von Schlachthof-Mitarbeitern, aber auch von Erntehelfern in Augenschein nehmen werde.

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