Organzuteilung

134 Verstöße in Transplantationszentren aufgedeckt

Bei Vort-Ort-Kontrollen in deutschen Transplantationszentren haben Prüfer systematische Manipulationen festgestellt. Es zeigt sich ein Muster: Ärzte haben mit Medikamenten getrickst.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Spenderorgan im Styroporbehälter: Eine Kommission hat geprüft, ob es in Transplantationszentren zu Manipulationen kam.

Spenderorgan im Styroporbehälter: Eine Kommission hat geprüft, ob es in Transplantationszentren zu Manipulationen kam.

© Soeren Stache / dpa

BERLIN. In fünf der 23 Herzzentren in Deutschland ist in den Jahren von 2010 bis 2012 bei Versuchen, schneller an Spenderorgane zu gelangen, systematisch manipuliert worden.

Das haben Untersuchungen der von der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbands eingerichteten Kommission ergeben.

Insgesamt listet der Tätigkeitsbericht der 2012 per Gesetz geschaffenen Überwachungskommission 134 Verstöße auf.

87 Verstöße gegen BÄK-Richtlinien

Überprüfung der Transplantationen

Gesetzlicher Auftrag: Alle 36 Monate müssen die 46 Transplantationszentren und 126 Transplantationsprogramme einmal überprüft werden. Start September 2012.

Untersuchungszeitraum für den aktuellen Bericht war 2010 bis 2012.

Schwerpunkte waren Herz-, Lungen-, Nieren- und Pankreaszentren.

Ergebnisse: 134 als vorsätzlich eingestufte Verstöße wurden festgestellt.

Perspektive: Für 2013, 2014 und 2015 gibt es noch keine greifbaren Ergebnisse.

Von den 87 Verstößen gegen die Richtlinien der Bundesärztekammer ereigneten sich demnach 14 im Deutschen Herzzentrum Berlin, 17 in der Poliklinik München-Großhadern, 33 in den Universitätskliniken Heidelberg, 17 in Jena und sechs in Köln-Lindenthal.

In Jena (10) und München-Großhadern (37) wurden zudem systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen auch bei Lungentransplantationen geortet. Als völlig sauber stellten sich aus Sicht der Kommission die Nieren- und Pankreasprogramme dar.

Bei den Manipulationen in den Herzzentren ist ein weitgehend einheitliches Muster auszumachen. So hätten die Ärzte ihre Patienten durch erhöhte Gaben bestimmter Medikamente kränker erscheinen lassen als sie waren, berichtete die Vorsitzende der Prüfungskommission, Richterin Anne-Gret Rinder, am Donnerstag bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts in Berlin.

So seien Patienten im Vorfeld von Hochdringlichkeitsmeldungen an die überstaatliche Verteilstelle Eurotransplant in Brüssel für kurze Zeit gezielt mit den für die Auslösung eines Alarms nötigen Dosen von Medikamenten wie Dobutamon und Milrinon versorgt worden.

Keine Auffälligkeiten bei Hirntodfeststellungen

Nach der Meldung seien die Dosierungen wieder abgesenkt worden, um sie bei Re-Evaluierungen wieder anzuheben. Eurotransplant wurde jedoch mitgeteilt, die Medikamente seien durchgängig hoch dosiert gegeben worden.

Die Fälle erschienen dadurch dringlicher. Dass so Privatpatienten bevorzugt worden seien, sei nicht nachweisbar, sagte Rinder.

Der Vorsitzende der Überwachungskommission, Professor Hans Lippert, betonte, dass es bei den untersuchten 45 Hirntodfeststellungen keine Auffälligkeiten gegeben habe.

Die Kontrolle der Transplantationsmedizin in Deutschland in der Folge des Allokationsskandals in Göttingen hat damit eine wichtige Zwischenetappe erreicht. Alle 126 Transplantationsprogramme in 46 Zentren sind seither mindestens einmal überprüft worden.

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