Das Mitmachprojekt „Liebesleben“

Abstrakte Aufklärung

Bunte Penisse, rote Brüste: Mit abstrakten Kunstkörpern reist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Aufklärung in Schulen. In sechs Lernstationen erhalten Kinder Informationen zu sexuell übertragbaren Krankheiten, Körpergefühl und dem Umgang miteinander – und nehmen einen Lernkoffer mit.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die Lernstation „HIV und andere STI – Da weiß ich, was zu tun ist“ beim BZgA-Projekt „Liebesleben“.

Die Lernstation „HIV und andere STI – Da weiß ich, was zu tun ist“ beim BZgA-Projekt „Liebesleben“.

© Ilse Schlingensiepen

Köln. Die Jugendlichen haben sichtlich Spaß, als sie den Kunstkörper näher betrachten. Das Besondere an der roten Figur aus Kunststoff: Der Körper besteht aus unterschiedlichen Geschlechtsteilen. Das weckt die Neugier und regt die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Holweide in Köln zu Gesprächen und launigen Kommentaren an.

Ein Kunstkörper des Mitmachprojekts „Liebesleben“

Ein Kunstkörper des Mitmachprojekts „Liebesleben“

© Ilse Schlingensiepen

Genau das ist der Zweck. Der Kunstkörper soll den Jugendlichen einen leichten Einstieg in das Thema Körperlichkeit mit all seinen unterschiedlichen Facetten verschaffen. Das merkwürdige Gebilde ist Teil des neuen sechsteiligen Themenparcours‘ „Liebesleben – Das Mitmachprojekt“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Der Kunstkörper steht an der Themenstation „Körper und Gefühle – Da bin ich zufrieden mit mir“. Die weiteren Stationen: „Vielfalt und Respekt – Da bin ich offen für alles“, „Sexualität und Medien – Da finde ich mich zurecht“, „Freundschaft und Beziehung – Da weiß ich, was mir wichtig ist“, „HIV und andere STI – Da weiß ich, was zu tun ist“ und „Schutz und Safer Sex – Da bin ich mir sicher“.

An dieser letzten Station erfahren die Jugendlichen von der speziell geschulten Moderatorin, welche Mittel und Maßnahmen es zur Schwangerschaftsverhütung und zum Schutz vor Infektionen gibt. Auch hier steht ein Blickfang: eine grüne Skulptur, bestückt mit Plastikpenissen unterschiedlicher Größen, Formen und Farben. Die Schüler können dort das Aufziehen eines Kondoms üben.

Wer ist die Zielgruppe?

Unter dem Namen „Liebesleben“ bündelt die BZgA seit 2016 Präventionsmaßnahmen und Informationen zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Das neue Mitmach-Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen im Alter von zwölf bis 18 Jahren. Ziele sind die Förderung der sexuellen Gesundheit und die STI-Prävention. In der Gesamtschule Holweide ist der Startschuss für das Mitmachprojekt gefallen.

Ein Kunstkörper des Mitmachprojekts „Liebesleben“

Ein Kunstkörper des Mitmachprojekts „Liebesleben“

© Ilse Schlingensiepen

Von der Idee bis zur Fertigstellung hat die Entwicklung des Projekts zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen, berichtet Peter Lang, Leiter der Abteilung Prävention bei der BZgA, bei der Auftaktveranstaltung. „Wir haben von vielen Seiten Informationen aufgenommen und einfließen lassen.“

Der Parcours solle den Jugendlichen ein Forum für die gemeinsame Auseinandersetzung mit Themen wie Körper, Gefühle und Sexualität geben. „Es ist wunderbar, es live zu sehen und zu erleben, wie die Schüler das Angebot annehmen und diskutieren“, freut sich Lang.

Die Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten spielt für die BZgA nach wie vor eine große Rolle. „Beim Thema HIV/Aids haben wir viel erreicht, bei anderen Erkrankungen wie Chlamydien und HPV ist sicher noch einiges zu tun“, betont er.

Die Aufklärung über STI muss dort stattfinden, wo man die verschiedenen Zielgruppen am besten erreicht, weiß Ines Perea, Referatsleiterin im Bundesgesundheitsministerium. „Eine der wichtigsten Zielgruppen sind junge Menschen.“

Weites Blickfeld des Projekts

Das Projekt setze auf die aktive Beteiligung der Schüler und beziehe auch die Lehrkräfte ein, lobt sie. Perea gefällt auch, dass „Liebesleben“ das Augenmerk nicht nur auf den Aspekt der Krankheit richtet, sondern ein viel weiteres Blickfeld hat. „Ich habe das Gefühl, dass dieses Projekt auf der Höhe der Zeit ist.“ Eigentlich bräuchte man mindestens einen Parcours für jedes Bundesland, sagt Perea.

Schulen bieten enorme Chancen für die Gesundheitsförderung, findet Dr. Timm Genett, Geschäftsführer des PKV-Verbands, der das Projekt fördert. „Es geht darum, Kompetenz zu vermitteln.“ Das Thema sexuelle Gesundheit habe viele Dimensionen. „Eine ist die Befähigung zum selbstbestimmten Umgang mit den eigenen Bedürfnissen“, sagt Genett. Dabei biete das Mitmachprojekt eine wichtige Unterstützung.

„Liebesleben“ endet nicht, wenn der Parcours wieder abgebaut wird. Die Schulen erhalten einen Materialkoffer, der ihnen die weitere Bearbeitung des Themas erlaubt.

Die Leiterin der Gesamtschule Holweide Christa Dohle hofft, dass ihre Schülerinnen und Schüler von dem „superspannenden“ Projekt profitieren werden. „Ich glaube, dass es Zeit ist, sich dem Thema zu widmen.“

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