Kommentar zum Pflege-Streik

Achtung, Trittbrettfahrer!

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

Streiks an der Charité und an anderen Kliniken, Protestketten der Gewerkschaft verdi an vielen Orten: Die bundesweiten Aktionen rufen in Erinnerung, bei welcher Berufsgruppe der wachsende ökonomische Druck im stationären Sektor vor allem sein Ventil gefunden hat.

 Der Sparkurs wurde in den vergangenen Jahren zulasten des Pflegepersonals gefahren: Die Zahl der Stellen schrumpfte in 20 Jahren um zehn Prozent, die der Patienten wuchs dagegen stetig.

Nun ist die Zitrone ausgequetscht - und das Pflegepersonal an der Charité streikt nicht für mehr Geld, sondern für einen besseren Personalschlüssel. Das ist ein Alarmsignal für Klinik-Geschäftsführer und Politiker in Bund und Land.

Doch es macht skeptisch, wenn sich das streikende Klinikpersonal kaum vor Sympathiebekundungen der Krankenhausgesellschaften retten kann. Die Klinik-Lobby findet in den Protesten ein willkommenes Trittbrett, um ihren Widerstand gegen das Krankenhaus-Strukturgesetz in die Öffentlichkeit zu tragen.

Kliniken können auf mehr gesellschaftliche Akzeptanz für ihr Nein hoffen, wenn nicht ihr finanzielles Auskommen, sondern die Arbeitsbedingungen in der Pflege im Fokus stehen. Für die Streikenden gilt: Manchmal kann man sich die Freunde nicht aussuchen.

Lesen Sie dazu auch: Verdi mahnt: Es fehlen 70.000 Pfleger

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