Versorgungsprobleme

Ärztenetze als Lückenfüller

In Westfalen-Lippe sieht die KV Ärztenetze immer öfter als Feuerwehr für Versorgungslücken. Doch vor allem kann die Arbeit im Netz die Versorgungsqualität erhöhen und die beteiligten Ärzte entlasten, glaubt die KV.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Ärztliche Kooperation über Sektorengrenzen hinweg: Für die KVWL sind Netze eine Keimzelle für bessere Vernetzung im Gesundheitswesen.

Ärztliche Kooperation über Sektorengrenzen hinweg: Für die KVWL sind Netze eine Keimzelle für bessere Vernetzung im Gesundheitswesen.

© shefkate / fotolia.com

DORTMUND. Eine wesentliche Aufgabe für Ärztenetze wird es künftig sein, Versorgungslücken zu identifizieren und zu schließen. Davon geht der 2. Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Gerhard Nordmann aus.

"Probleme, vor denen die Kollegen heute kapitulieren müssen, weil sie nicht über die Kapazitäten und in Teilen auch nicht über das spezialisierte Wissen verfügen, werden in der Gemeinschaft angegangen und gelöst", sagte Nordmann beim 6. Jahreskongress der KVWL in Dortmund.

Als gutes Beispiel für diesen Trend sieht er die Arbeit der Palliativnetze in Westfalen-Lippe. "Der Wunsch vieler Patienten, ihnen solle ein schmerzfreies und würdevolles Sterben zu Hause ermöglicht werden, konnte nur in der Netzstruktur ermöglicht werden."

Hausärzte, die sich in der palliativmedizinischen Versorgung engagieren, werden in Westfalen-Lippe bei Bedarf gezielt durch die spezialisierten Palliativmediziner unterstützt.

Die Palliativnetze arbeiten anders als die klassischen regionalen Ärztenetze, sagte Nordmann. Der Fokus der Ärzte liege auf der Lösung von Versorgungsproblemen.

Am Aufbau der notwendigen Strukturen habe sich die KVWL von Anfang an beteiligt. Jetzt wolle sie diese erfolgreiche Art der Zusammenarbeit auf weitere Bereiche ausdehnen, kündigte er an.

Der KVWL-Vize verwies auf den Abschluss eines Versorgungsvertrages zur besseren ambulanten Versorgung von Patienten in Alten- und Pflegeheimen, der von den Netzen vor Ort getragen wird.

Folgen sollen Verträge zur Wundversorgung und zur interdisziplinären Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen. Weitere Handlungsfelder hat Nordmann bereits im Blick: Patienten mit Demenz und Patienten mit Makuladegeneration. "Die Arbeit, da bin ich mir sicher, wird uns so schnell nicht ausgehen."

Von der Versorgung in vernetzten Strukturen werden nicht nur die Patienten profitieren, sondern auch die Ärzte selbst, erwartet Nordmann. Sie werden weiterhin in ihren Praxen tätig sein und dort den medizinischen Alltag bewältigen.

"Das Netz stärkt dem Einzelnen aber den Rücken, indem es ihn medizinisch kompetenter macht." Der einzelne Arzt oder Psychotherapeut werde zudem durch die Arbeitsteilung entlastet.

Der Vernetzungsgedanke dürfe dabei nicht auf den ambulanten Bereich beschränkt bleiben, stellte er klar. Stattdessen sieht Nordmann Ärztenetze als "Keimzelle für eine bessere Vernetzung des Gesundheitswesens".

Die ärztliche Kooperation über die Sektorengrenzen hinweg ist die Voraussetzung dafür, die Probleme der Zukunft regeln zu können, sagte auch der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst. "Wir müssen zusammenarbeiten und unsere Kirchturmpolitik verlassen."

Dafür müssten aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, betonte Windhorst. "Wir brauchen eine extrabudgetäre Subventionierung der Netze."

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