Tag des Gesundheitsamts

Amtsärzte wollen Aufwertung ihres Berufs

Mit dem erstmals ausgerufenen "Tag des Gesundheitsamts" will das Robert Koch- Institut auf die Bedeutung des ÖGD für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung hinweisen.

Von Christoph BarkewitzChristoph Barkewitz Veröffentlicht:

BERLIN. Angesichts erheblicher finanzieller und personeller Engpässe im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) haben die Bundesärztekammer und das Robert Koch-Institut (RKI) eine Stärkung desselben und bessere Arbeitsbedingungen für die dort beschäftigten Ärzte gefordert. Das RKI hat am Dienstag erstmals den 19. März zum "Tag des Gesundheitsamts" ausgerufen.

Dies ist der Geburtstag von Johann Peter Frank. Der 1745 im pfälzischen Rodalben geborene Arzt gilt als Begründer des Öffentlichen Gesundheitswesens.

In den vergangenen Jahren seien kontinuierlich Arztstellen weggefallen, freie Stellen könnten nur schwer oder teilweise gar nicht nachbesetzt werden, sagt Dr. Susanne Johna, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Öffentlicher Gesundheitsdienst".

Lob für ÖGD

Politiker lobten den ÖGD zwar stets für seine Verdienste um Gesundheitsschutz, Prävention und Gesundheitsmanagement. Gleichzeitig würden aber immer neue Aufgaben zugeteilt – bei Abnahme der dringend erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen, so Johna.

Die Arbeit der rund 400 kommunalen Gesundheitsämter in Deutschland sei vielfältig, unverzichtbar – und nicht ausreichend gewürdigt, sagt auch RKI-Präsident Lothar Wieler. "Dabei ist das Gesundheitsamt eine zentrale Säule für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung."

Die Lösung der Probleme sehen die Beteiligten vor allem in einer besseren Bezahlung der ÖGD-Ärzte – "eine Grundvoraussetzung, um hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte für den ÖGD zu gewinnen und zu halten", glaubt BÄK-Vorstand Johna.

Dies ist auch eine zentrale Forderung im Positionspapier der Kammer, das die Arbeitsgruppe ÖGD bereits im April vergangenen Jahres erarbeitet hat. Darin wird eine tariflich abgesicherte Angleichung an die Gehälter der Kollegen an kommunalen Krankenhäusern, Unikliniken und beim medizinischen Dienst der Kassen gefordert.

Außerdem sei wichtig, dass Länder und Kommunen eine Mitarbeiter-Statistik in den Landes- und Gesundheitsämtern führten, denn exakte Zahlen gibt es nicht. Der ÖGD ist Ländersache, gut 2500 Ärzte sind dort bundesweit beschäftigt. Die BÄK definiert in dem Papier auch die Aufgaben des ÖGD: Kinder- und Jugendgesundheit, sozialpsychiatrischer Dienst, Hygiene, Management von Infektionserkrankungen, gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen.

"Keine Ärzte zweiter Klasse"

"Ärztinnen und Ärzte im ÖGD sind keine Ärztinnen und Ärzte zweiter Klasse!", stellt die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Dr. Ute Teichert, klar. Die Ungleichbehandlung der Ärzte in den Gesundheitsämtern müsse ein Ende haben, sie müssten mit Ärzten in den kommunalen Krankenhäusern durch einen Tarifvertrag mit dem Marburger Bund gleichgestellt werden.

Im November und Dezember hatten ÖGD-Ärzte bereits in Dortmund und Berlin gegen ein Ausbluten der Gesundheitsämter und für eine Angleichung der Gehälter demonstriert. Schlagzeilen machte vor allem der thüringische Unstrut-Hainich-Kreis.

Nach dem Abgang der zwei verbliebenen Humanmediziner ist der einzige noch vorhandene approbierte Mediziner ein Zahnarzt. Im mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust-Parchim konnten nur 57 Prozent der Erstklässler wegen Personalmangels durch den ÖGD untersucht werden.

Ärztinnen und Ärzte im ÖGD sind keine Ärztinnen und Ärzte zweiter Klasse!

Dr. Ute Teichert, BVÖGD-Präsidentin

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