BVAP

Arbeitgeberverband in der Pflege gegründet

Ein neuer Verband in der Pflege ist am Start: Die "Bundesvereinigung Arbeitgeber in der Pflegebranche" (BVAP) hat sich zum Ziel gesetzt, einen Tarifvertrag für die gesamte Branche auszuhandeln.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 14.06.2019, 15:54 Uhr

BERLIN. Am Freitag (14. Juni) hat sich in Berlin die "Bundesvereinigung Arbeitgeber in der Pflegebranche" (BVAP) gegründet.

Ihm gehören bislang allerdings nur Pflegeeinrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, des Arbeitersamariterbundes und der Diakonischen Dienstgeber Niedersachsens an. Unterstützt wird der Verband vom Paritätischen Gesamtverband und der Volkssolidarität.

Zu Vorständen wurden Ulrich Bauch (Bundesgeschäftsführer Arbeitersamariterbund), Rüdiger Becker (Vorsitzender Diakonischer Dienstgeberverband Niedersachsen) und Gero Kettler (Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der AWO) gewählt.

Ziel ist es, einen Tarifvertrag auszuhandeln

Der neue Verband will baldmöglichst in Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eintreten. Ziel sei der Abschluss eines Tarifvertrages für die gesamte Branche.

Auf Grundlage des „Pflegelöhneverbesserungsgesetzes“, das im Entwurf bereits vorliegt, soll der Tarif vom Arbeitsministerium auf alle Altenpflegeanbieter erstreckt werden können. Damit sind die Ziele des neuen Verbandes und die von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) identisch.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge wird ein einheitlicher Tarifvertrag in Deutschland je nach gewähltem Niveau eine um zwischen 1,4 und 5,2 Milliarden Euro im Jahr höhere Lohnsumme in der Altenpflege auslösen.

Private Anbieter sind nicht begeistert

Bei den privaten Pflegeanbietern kommt die Gründung des neuen Verbandes nicht gut an. „Was da heute gegründet wurde, ist eher eine neue Vorfeldorganisation einer Partei, denn ein selbstbewusster und eigenständiger Arbeitgeberverband“, kritisierte Rainer Brüderle, Präsident des Arbeitgeberverbands der privaten Anbieter sozialer Dienste (bpa).

Bei dem Kuschelkurs der AWO mit Verdi frage man sich, ob die Gewerkschaft nicht gleich auch noch als neues Mitglied eingeladen worden sei, spottete Brüderle am Freitagnachmittag. Damit werde die Tarifautonomie geschwächt, ebenso wie die Position von Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Verband kann für rund 50.000 Mitarbeiter sprechen

Der neue Verband kann Schätzungen aus der Branche für rund 50.000 Mitarbeiter sprechen. Insgesamt sind in der Altenpflegebranche 1,1 Millionen Menschen beschäftigt, rund 500.000 davon bei den privaten Arbeitgebern.

Bei der Bundesmitgliederversammlung des bpa am Freitag in Berlin betonte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Professor Michael Hüther, dass die Aufgaben der Pflege in der Zukunft ohne privates Kapital nicht zu stemmen seien. Dafür müssten sie adäquate Renditen erzielen können. In der Branche werden vier Prozent Verzinsung mindestens erwartet.

Im Jahr 2030 werde das Marktvolumen von ambulanter und stationärer Pflege auf zusammen rund 67 Milliarden Euro im Jahr angewachsen sein. Im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 23,6 Milliarden Euro.

Hüther plädierte zur Refinanzierung unter anderem für eine längere Lebensarbeitszeit.

Lesen Sie dazu auch: Großprojekt Pflege: Ist der Tarifvertrag der richtige Weg?

Mehr zum Thema

Kommentar zu Westerfellhaus

Not der Pflegedienste erkannt

Schleswig-Holstein

Pflegekammer hofft auf Konsens

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Präzisere Genschere könnte CRISPR ablösen

„Prime Editing“

Präzisere Genschere könnte CRISPR ablösen

„Die reichen Länder werden zu kämpfen haben“

OECD-Gesundheitschefin Colombo

„Die reichen Länder werden zu kämpfen haben“

Palliativmedizin – keine Frage des Budgets

EBM-Abrechnung

Palliativmedizin – keine Frage des Budgets

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen