BARMER-Report
Arzneimittel: Ausgaben für Volkskrankheiten seit 2014 stark gestiegen
Der Arzneimittelreport der BARMER beleuchtet die Ausgabenentwicklung für die medikamentöse Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz und Asthma. Der Preisanstieg bei Medikamenten ist signifikant, die Therapiefortschritte sind es auch.
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Die BARMER hat die Ausgabenentwicklung der Arzneimitteltherapie bei Versicherten mit Herzinsuffizienz ab 50 Jahren und mit Asthma bronchiale ab 18 Jahren untersucht.
© Thomas Jansa / stock.adobe.com
Berlin. Nicht nur die Ausgaben für Krebsmedikamente, sondern auch für die medikamentöse Therapie von Volkskrankheiten setzen die Krankenkassen unter Druck. Das geht aus dem Arzneimittelreport 2026 der BARMER hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wird.
Oft stehen bei der Diskussion über Arzneimittelpreise Onkologika im Fokus. Der Bericht der BARMER hingegen untersucht die Entwicklung der Arzneimitteltherapie bei Versicherten mit Herzinsuffizienz ab 50 Jahren und mit Asthma bronchiale ab 18 Jahren, und zwar im Zeitraum von 2014 bis 2024.
Nach Angaben der Kasse sind die durchschnittlichen Arzneimittelnettokosten je Herzinsuffizienz-Patient im Zehn-Jahreszeitraum um 94 Prozent gestiegen, und zwar von 1.176 (2014) auf 2.283 Euro (2024). Getriggert wurde diese Entwicklung dabei insbesondere durch patentgeschützte Arzneimittel. Binnen einer Dekade legten die Ausgaben hier um 183 Prozent zu, bei Generika waren es 22 Prozent, heißt es im Bericht.
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Vergleichbar ist die Entwicklung bei den Ausgaben für die Therapie von Asthma-Patienten verlaufen. Im Schnitt sind die Arzneimittelausgaben bei der BARMER hier seit 2014 um jährlich acht Prozent gestiegen, insgesamt also um rund 80 Prozent. Statt mit 770 Euro (2014) schlug die Arzneimitteltherapie mit durchschnittlich 1.351 Euro (2024) je Asthma-Patient zu Buche.
Gestiegene Morbidität erklärt Ausgabenanstieg kaum
Bei der Teilgruppe der patentgeschützten Medikamente betrug der Ausgabenzuwachs 106 Prozent, berichtet die Kasse. Zum Vergleich: Im Untersuchungszeitraum stiegen die beitragspflichtigen Einnahmen bei GKV-Mitgliedern aller Kassen nur um 3,1 Prozent pro Jahr.
Gestiegene Morbidität kann den Anstieg der Gesamtausgaben nur zu einem kleinen Teil erklären. Im Fall von Asthma nahm die Zahl der Erkrankten binnen zehn Jahren um drei Prozent zu. Bei Herzinsuffizienz waren es im gleichen Zeitraum 14 Prozent mehr Patienten – ursächlich hierfür waren nach Angaben der BARMER unter anderem veränderte Kriterien für die Diagnosestellung und Fortschritte bei der Diagnostik.
Arzneimittelversorgung
Guter Zugang zu Innovationen – aber Mangel an wertbasierter Steuerung
BARMER-Vorstandschef Prof. Dr. Christoph Straub mahnte im Ergebnis eine Weiterentwicklung der frühen Nutzenbewertung mit dem Ziel einer „für alle Beteiligten angemessenen Ausgabenkontrolle“ an. Er forderte, insbesondere bei Arzneimitteln mit unsicherer Datenlage sollten nach der Zulassung rasch und regelhaft zusätzliche Daten erhoben werden und in Preis- und Erstattungsentscheidungen einfließen.
Auch die Sonderregelungen für Orphan Drugs sollten überdacht werden, so Straub. Bisher unterstellt der Gesetzgeber bei dieser Teilgruppe von Medikamenten regelhaft, dass ein Zusatznutzen vorliegt.
Bedeutende Therapiefortschritte seit 2014
Der Autor des Reports, Prof. Dr. Daniel Grandt, hob hervor, dass den gestiegenen Ausgaben ein durch Studien belegter patientenrelevanter Nutzen entgegensteht. Neue Medikamente und veränderte Therapiealgorithmen hätten die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz-Patienten gesenkt, berichtet Grandt, bis 2025 Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Klinikum Saarbrücken.
„Studien kalkulieren, dass der geschätzte Überlebensgewinn für einen 55-jährigen Patienten sechs Jahre und für einen 70-jährigen Patienten fünf Jahre beträgt“, so Grandt. Auch bei Asthma-Patienten sieht der Studienautor „beeindruckende“ Therapiefortschritte: „In Studien konnten bei den für die Studien ausgewählten Patienten Asthma-Exazerbationen um 44 Prozent und Krankenhausaufnahmen um 60 Prozent reduziert werden.“
„Faire Arzneimittelpreise“ sind nach Darstellung von Grandt „zwingend notwendig aber noch nicht ausreichend“, um eine nachhaltige Ausgabenentwicklung zu gewährleisten. Die nationale Präventionsstrategie sollte daher weiterentwickelt werden, um Risikofaktoren für die Entstehung vermeidbarer Erkrankungen in allen Politikbereichen zu adressieren: „Nur die Hälfte der erreichten Verringerung von kardiovaskulärer Mortalität ist auf Arzneimitteltherapie und die andere Hälfte auf Verringerung von Risikofaktoren zurückzuführen“, erinnerte Grandt. (fst)













