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Bei Demenz sind Haus- und Nervenärzte gefragt

Hausärzte versorgen zwar nicht viele Demenzpatienten, diese bedürfen dafür aber einer besonders intensiven Betreuung.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Demenzpatienten erfordern eine besonders intensive Betreuung.

Demenzpatienten erfordern eine besonders intensive Betreuung.

© Alta.C / fotolia.com

WITTEN. Um die Versorgung von Demenzpatienten zu verbessern, sind Unterstützungsmaßnahmen für Menschen im frühen Stadium einer Demenz notwendig. Gibt es die entsprechenden Angebote, wird der Umgang mit der Diagnose sowohl für die Betroffenen und ihre Angehörigen als auch für die betreuenden Hausärzte leichter. "Wir müssen etwas tun, damit die Menschen durch die Diagnose Demenz nicht völlig aus der Bahn geworfen werden", sagte Professorin Sabine Bartholomeyczik bei einer Fachtagung an der Universität Witten/Herdecke (UWH).

Bartholomeyczik ist Sprecherin des Standorts Witten des Deutschen Zentrums für Neurogenerative Erkrankungen in der Helmholtz-Gemeinschaft. Der Standort ist im September 2009 an den Start gegangen, Ende dieses Jahres soll der Aufbau abgeschlossen sein. Forschungsschwerpunkt in Witten sind Versorgungsstrategien für Menschen mit Demenz.

Bislang konzentriere sich die Versorgungsforschung bei Demenz auf die fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung. "Wir möchten ein größeres Projekt in Angriff nehmen zur primären individuellen Unterstützung von Menschen mit Demenz im häuslichen Umfeld", kündigte Bartholomeyczik an. Bislang gebe es relativ wenig Angebote für Betroffene. Ein wichtiger Ansatz der Wittener Forscher sei die Einbeziehung der Patienten. "Die Demenzdiagnose entmündigt die Diagnostizierten sehr schnell, die Angehörigen werden wichtiger als die Menschen mit Demenz", sagte sie.

Demenzkranke Patienten sind in der hausärztlichen Praxis zwar eine kleine Gruppe, aber eine mit der die Hausärzte viel zu tun haben, sagte Professor Stefan Wilm, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin an der Universität Witten-Herdecke. Für die ambulante Betreuung der rund 900 000 Menschen mit Demenz stünden zurzeit 4756 Nervenärzte und 57 631 Hausärzte zur Verfügung. "Die primäre ärztliche Versorgung kann nicht durch den Neurologen und Psychiater erfolgen", sagte Wilm.

Der Allgemeinmediziner skizzierte eine Reihe von Themen, die seiner Meinung nach dringend erforscht werden müssen, um die Versorgungssituation zu verbessern. Dazu zählen die Zusammenarbeit der Hausärzte mit der ambulanten Pflege und der stationären Altenpflege, das sektorenübergreifende Nahtstellenmanagement von ambulanter hausärztlicher und stationärer Versorgung sowie die Einstellungen und das Alltagshandeln von Hausärzten in der Erkennung und Früherkennung von Demenz und der Begleitung von Patienten mit einer frühen Demenz. "Hausärzte haben Gründe dafür, dass sie sich schwer tun mit dem Diagnostizieren", sagte Wilm. Schließlich wüssten sie häufig nicht, wie sie nach der Diagnose weiterverfahren sollen, was sie dem Patienten überhaupt anbieten können.

Der Einsatz früher Biomarker wird die Hausärzte in ethische Konflikte bringen, prognostizierte er. Diesen Problemen müssten die Wissenschaftler ebenso nachgehen wie den Konflikten, in die Mediziner geraten, wenn sie gleichzeitig den Demenzpatienten und den Angehörigen behandeln. "Wessen Lebensqualität ist wichtiger: die des Demenzpatienten oder die der pflegenden Schwiegertochter?"

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