Kommentar – Impfpflicht

Beim Impfen am Ball bleiben

Auch wenn eine Impfpflicht eingeführt wird, sollte das Thema nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 16.07.2019, 16:59 Uhr

Deutschland und seine Versäumnisse beim Impfen: Experten können hierzu lange Abhandlungen schreiben. Manches davon lässt sich erklären. Etwa die Erfolge des Impfens, die uns in Sicherheit wiegen und uns nachlässig werden lassen. Andere Versäumnisse erstaunen:

Ausgerechnet Ärzte und medizinisches Personal sind nachlässig, wenn es ums Impfen geht? Ausgerechnet Ärzte werden über eine der Maßnahmen, die am meisten Menschenleben überhaupt gerettet hat, in ihrer Ausbildung nicht vernünftig informiert? Wie soll in der Bevölkerung für das Impfen geworben werden, wenn nicht einmal die Mediziner für das Impfen eintreten? Dies sind Fragen, die erst Öffentlichkeit finden, seit sich das Thema Impfpflicht hartnäckig in den Schlagzeilen hält.

Es ist gut, dass diese Fragen endlich gestellt werden. Damit hat die Diskussion um die Impfpflicht einen ersten Erfolg erzielt. Jetzt gilt es, die Weichen für Lösungen zu stellen. Ob eine Impfpflicht Teil dieser Lösung sein muss, darüber kann man streiten. Offenbar gibt es aber Handlungsbedarf an weiteren Stellen.

Hier sollten Politikerin Bund und Land, aber auch ärztliche Körperschaften ansetzen. Sonst steht zu befürchten, dass sich die Politik nach Einführung einer Impfpflicht zurücklehnt, das Thema aus der Öffentlichkeit verschwindet und die erhoffte Wirkung ausbleibt.

Lesen Sie dazu auch: Debatte um Impfpflicht: „Impfen kann nicht allein Privatsache sein“

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Lieber Herr Schnack, geschätzte Redaktion der Ärzte Zeitung(ÄZ),

so sehr ich Ihre Beiträge und Kommentare auch schätze, Herr Schnack, aber Ihre persönlichen Meinungsäußerungen und Fragen muss ich bei allem Respekt kritisieren: "Ausgerechnet Ärzte und medizinisches Personal sind nachlässig, wenn es ums Impfen geht? Ausgerechnet Ärzte werden über eine der Maßnahmen, die am meisten Menschenleben überhaupt gerettet hat, in ihrer Ausbildung nicht vernünftig informiert? Wie soll in der Bevölkerung für das Impfen geworben werden, wenn nicht einmal die Mediziner für das Impfen eintreten? Dies sind Fragen, die erst Öffentlichkeit finden, seit sich das Thema Impfpflicht hartnäckig in den Schlagzeilen hält".

- Alle Kolleginnen und Kollegen, insbesondere in der haus-, familien-, fach- und spezial-ärztlichen Versorgung der ambulanten vertragsärztlichen Praxis und die überwiegend jüngeren Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken sind zumindest in ihrer Kindheit komplett durchgeimpft worden.

- Sie unterliegen betriebsärztlichen Untersuchungen und Überwachungen bzw. dem aktuell gültigen Infektionsschutzgesetz (InfSchG) und werden bei möglichen Impflücken informiert und ggf. therapiert.

- In der Human-Mediziner-Ausbildung in Deutschland sollen angeblich Impfungen, Infektiologie, Immunologie, Serologie und "communicable diseases" zu kurz gekommen sein, ist eine nicht belegbare Behauptung.

- Dabei lernt man u.a., dass der Immun- und Durchimpfungs-Status durch spezifische Antikörper bei Ärzten wie Patienten detektiert und quantifiziert werden kann, was für die Feststellung und den Ausschluss von Arbeitsdiagnosen bzw. primäre und sekundäre Impfversager eminent wichtig sein kann.

- In meinem gesamten medizinischen Freundes- und Bekanntenkreis findet sich kein einziger Fall von impfpräventablen Krankheiten.

- Medizinische Fachpublikationen wie ÄZ, Deutsches Ärzteblatt, Medical Tribune, Medscape Deutschland/International u.a. werden in ihren Kommentierungen meist von immer denselben fanatisch-fundamentalistisch-eingestellt argumentierenden Impfgegnern und Naturheilkundlern z.T. ohne jeglichen medizinischen Wissenshintergrund geradezu überschwemmt.

- Seriöse Medizinjournalisten sollten sich nicht über die verschwindend geringe, aber zugleich marktscheierisch lautstark auftretende Impfgegnerschaft täuschen lassen: Vertragsärztinnen und -Ärzte impfen mehrheitlich und i.d.R. ohne jegliches Getöse.

- Bei den Ärzten selbst von zu geringer Impfbereitschaft sprechen zu wollen, ist ohne vorliegende statistische Antikörper-Daten an Hand von systematischen Reihenuntersuchungen populistisch.

- Dass Impfung "eine der Maßnahmen, die am meisten Menschenleben überhaupt gerettet hat," sein soll, ist ein echtes "Totschlag-Argument": Es negiert und konterkariert alle anderen medizinisch-ärztlichen und pflegerischen Bemühungen bei allen "non-communicable diseases" bzw. bei allen übertragbaren Krankheiten, die leider immer noch nicht impfpräventabel sind.

- Fortschritte in der Lebensmittel-, Kühlungs- Trinkwasser-, Ver- und Entsorgungs- bzw. Hygiene-Technologie haben nicht nur historisch bedingt wesentliche Anteile an der weltweiten Eindämmung von Infektionskrankheiten. Schutzimpfungen allein sind nicht Alles!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Riga/LV)


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