Versorgung im Flächenland

Brandenburg: KV-Chefin rechnet nicht mehr mit Erhalt aller Arztsitze

Brandenburgs Kassenärzte rechnen nicht mehr damit, alle Arztpraxen im Land erhalten zu können. „Wir werden Arztsitze nicht mehr so einfach eins zu eins besetzen können“, sagte die Vorsitzende der KV Brandenburg Dr. Catrin Steiniger im Interview mit der Ärzte Zeitung.

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Potsdam. Brandenburgs Kassenärzte rechnen nicht mehr damit, alle Arztpraxen im Land erhalten zu können. „Wir werden Arztsitze nicht mehr so einfach eins zu eins besetzen können“, sagte die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Catrin Steiniger, im Interview mit der Ärzte Zeitung. Schuld daran trage der Fachkräftemangel bei ärztlichem und nicht-ärztlichem Personal. „Und weil sich die Versorgung doch mehr auf Städte konzentriert, wird im ländlichen Raum sicherlich die eine oder andere Stelle nicht mehr zu besetzen sein.“ Man könne Ärzte nicht zwingen, aufs Land zu gehen. Stattdessen brauche es alternative Modelle: Etwa Anlaufstellen für Patienten, wo es eine Videosprechstunde und geschultes Praxispersonal gibt.

Zurückhaltend äußerte sich Steiniger zum Modell der ambulant-stationären Versorgung. Es wird unter anderem von Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) als Lösung für kleine Kliniken gesehen, die mit ausschließlich stationärem Betrieb finanziell nicht überleben könnten. „Im Vordergrund muss immer der Patient stehen, nicht die Einsparung oder das Einsparpotential“, so die Urologin, die selbst seit Jahrzehnten ambulant operiert. Man müsse sich immer die Frage stellen, ob ein Eingriff ambulant durchgeführt werden kann. „Was macht man, wenn es eine Nachblutung gibt?“, so Steiniger. Gerade in einem Flächenland müsse man sich dann auch die Frage stellen, wie weit Patienten in solchen Fällen fahren müssen. Zudem plädierte Steiniger für eine gleichberechtigte Finanzierung von ambulant und stationär erbrachten Leistungen. Ambulant tätige Ärzte dürften für dieselbe Leistung nicht schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen im Krankenhaus.

Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen plädierte Steiniger zudem dafür, das nach den letzten Wahlen entstandene Ministerium für Soziales, Integration, Gesundheit und Verbraucherschutz in den nächsten Koalitionsverhandlungen zu Gunsten eines klassischen Gesundheitsministeriums zu verkleinern. „Es ist ein sehr umfangreiches Themenfeld, was dieses Ministerium zu bearbeiten hat“, sagte Steiniger. „Ich glaube, die vor uns stehenden Reformen in der Gesundheitspolitik könnten ein eigenes Ministerium in der Tat gut ausfüllen.“ (lass)

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