Übergewicht

Britische Ärzte wollen Steuer auf Limonade

Mit Nachdruck fordert die britische Ärztegesellschaft eine Zuckersteuer zur Bekämpfung des Übergewichts. Vorbildlich, sagt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft.

Veröffentlicht: 04.09.2015, 10:32 Uhr

LONDON/BERLIN (ras). Um Kinder und Jugendliche vor ungesunder Ernährungsweise zu schützen, plädiert die britische Ärztegesellschaft British Medical Association (BMA) für die Einführung einer 20-prozentigen Steuer auf zuckerhaltige Getränke.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die sich seit längerem dafür einsetzt, begrüßt die Forderungen der BMA nachdrücklich. "Wir sehen darin eine weitere gewichtige Stimme derer, die sich für eine längst überfällige Verhältnisprävention stark machen", erklärt Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG.

70.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr

Ungesunde Ernährung verursacht in Großbritannien jährlich bis zu 70.000 vorzeitige Todesfälle und belastet das Gesundheitssystem jedes Jahr mit Kosten von sechs Milliarden Pfund, heißt es in dem kürzlich veröffentlichten BMA-Bericht.

Die Kosten für die Folgen von Übergewicht überstiegen damit im Vereinigten Königreich die Ausgaben für die Bekämpfung von Alkoholmissbrauch, Rauchen oder körperlicher Inaktivität.

Eine Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke, die mindestens 20 Prozent des Verkaufspreises betragen sollte, würde in Großbritannien "180.000 Menschen vor Übergewicht bewahren, unterstreicht Professor Sheila the Baroness Hollins im Vorwort zum BMA-Bericht.

Hinzu kommen müsse aber zudem eine transparente und verständliche Lebensmittelkennzeichnung - entweder über eine Ampel-System oder eindeutige Beschreibungen wie "niedrig", "mittel" und "hoch".

Zur Umsetzung der Maßnahmen sprechen sich die Autoren für ein stufenweises Vorgehen aus: Bis 2017 solle systematisch der Salzgehalt in Produkten reduziert, bis 2020 schließlich landesweit Ziele zur Reduktion von Kalorien, Fett und Zucker erreicht werden.

Wie erfolgreich solche Preissignale sein können, haben die Erfahrungen mit den Tabaksteuererhöhungen in Deutschland gezeigt. Durch sie konnte der Anteil der rauchenden Jugendlichen in den vergangenen zehn Jahren halbiert werden. Und Alkopops sind nach der Einführung einer entsprechenden Steuer praktisch vollständig vom Markt verschwunden.

Weitere Infos über diesen Link: http://bma.org.uk/news-views-analysis/news/2015/july/food-for-thought-getting-the-recipe-right

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