Britische Kliniken schlagen Alarm: Grippe gefährdet Versorgung

Die Grippewelle in Großbritannien hat gravierende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung: In den Kliniken auf der Insel sind alle Betten belegt, Operationen müssen abgesagt werden.

Arndt StrieglerVon Arndt Striegler Veröffentlicht:
NHS-Werbung gegen die Grippe in London: Die Influenza-Welle sorgt derzeit für Versorgungsengpässe auf der Insel.

NHS-Werbung gegen die Grippe in London: Die Influenza-Welle sorgt derzeit für Versorgungsengpässe auf der Insel.

© dpa

LONDON. Grippe und andere Infektionskrankheiten sorgen in britischen Krankenhäusern derzeit für Versorgungsengpässe.

Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervorgeht, haben landesweit mehr als 60 Kliniken die Patientenaufnahme für nicht dringende Fälle gestoppt, da alle Betten belegt sind. Es handelt sich um die schwerste Versorgungskrise seit Jahrzehnten.

Krankenhäuser in Liverpool, London, Norwich, Derby und Great Yarmouth haben sogenannte "Black alerts" ausgegeben.

Dabei handelt es sich um Warnungen der höchsten Alarmstufe, die bedeuten, dass alle Betten auf Intensivstationen und auch auf anderen Stationen voll belegt sind. Daraufhin wurden tausende Operationen abgesagt.

Augenzeugen berichten von zum Teil chaotischen Zuständen in Krankenhäusern. In vielen Londoner Kliniken des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) müssen Patienten in Ambulatorien sechs Stunden oder noch länger auf eine fachärztliche Konsultation warten.

Auf Fluren der Stationen sind Notbetten errichtet worden, um alle Patienten unterzubringen.

"Grippe, Norovirus-Infektionen und andere oftmals winterbedingte Krankheiten drohen den NHS lahmzulegen", berichtete der britische Ärztebund (British Medical Association, BMA). Und: "So schlimm war es seit Jahrzehnten nicht mehr!"

Nach Angaben des Londoner Gesundheitsministeriums wurden in England allein im Januar bisher mehr als 1200 Klinikbetten mit Patienten, die sich mit dem Norovirus infizierten, neu belegt.

Diese Betten fehlen für andere Patienten. Das Londoner Gesundheitsministerium rechnet auch für die kommenden Wochen mit Versorgungsengpässen.

Das gelte besonders für die NHS-Intensivmedizin, da dort gegenwärtig überdurchschnittlich viele schwer erkrankte Grippe-Patienten untergebracht seien.

Fachärztliche Berufsverbände kritisierten die Gesundheitspolitiker und die Krankenhausverwaltungen.

"Das Frustrierende an dieser Situation ist die Tatsache, dass das alles vorhersehbar war und dass trotzdem von Politik und Klinik-Bürokratie nicht genug unternommen wurde, um rechtzeitig zusätzliche Kapazitäten zu schaffen", sagte ein BMA-Sprecher der "Ärzte Zeitung".

Lesen Sie dazu auch: Grippe in England verursacht Engpässe beim Personal

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Ein Medikament unter vielen, das wenigen hilft? 2400 Wirkstoff-Kandidaten in der EU haben den Orphan-Drug-Status.

© artisteer / Getty Images / iStock

Wirkstoff-Kandidaten mit Orphan-Drug-Status

Orphan Drugs – Risiken für ein Modell

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Ein junges Mädchen wird geimpft – gegen HPV? (Symbolbild mit Fotomodellen)

© milanmarkovic78 / stock.adobe.com

Vision Zero Onkologie

Die Elimination des Zervixkarzinoms

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Keine Modeerscheinung

ADHS im Erwachsenenalter: Das gilt für Diagnostik und Therapie

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

 Shabnam Fahimi-Weber

© Jochen Tack

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin