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Land unter im UK

Britische Krankenhäuser setzen wegen Corona jetzt das Militär ein

Tausende Ärzte und Pflegekräfte in Großbritannien fallen derzeit wegen COVID-19 aus. Das System steht kurz vor dem Kollaps, sagt ein Londoner Stationsarzt. Nun hilft das Militär aus.

Arndt StrieglerVon Arndt Striegler Veröffentlicht:
Kliniken im Notfall: Rettungswagen am St. Thomas’ Hospital des NHS in London.

Kliniken im Notfall: Rettungswagen am St. Thomas’ Hospital des NHS in London.

© Tejas Sandhy / SOPA Images via ZUMA Press Wire / picture alliance

London. Zum zweiten Mal in der Geschichte des britischen Gesundheitsdienstes sind seit dem Wochenende hunderte Soldatinnen und Soldaten mit medizinischer Ausbildung in den staatlichen Krankenhäusern des Landes tätig, um so einen totalen Kollaps des Systems zu verhüten. Zuvor war dies nur 2021 auf dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie in diesem Umfang vorgekommen.

Allein in London sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit dem Wochenende „rund 200“ Soldatinnen und Soldaten in Kliniken des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) beschäftigt, die meisten davon Ärztinnen und Ärzte. Hintergrund: In den Kliniken und auch anderswo im NHS fehlen inzwischen allein in der Hauptstadt mehr als 10.000 Mediziner, Pflegekräfte und anderes Personal, weil sie entweder selbst mit SARS-CoV-19 infiziert sind, oder weil sie in COVID-Quarantäne sind.

Tausende nicht dringend notwendige Operationen wurden deswegen für den Rest des Monats Januar abgesagt. Schon jetzt warten in Großbritannien laut Gesundheitsministerium mehr als fünf Millionen Patienten auf eine Operation. Das ist ein trauriger Rekord.

Minister spricht von „schwerster Krise“

Landesweit haben inzwischen 20 große NHS-Kliniken beim Gesundheitsministerium den Notfall erklärt. Das heißt, die Kliniken sind nicht länger in der Lage, alle Patientinnen und Patienten zeitnah und fachgerecht zu versorgen. Gesundheitspolitische Beobachter rechnen damit, dass sich diese Situation in den kommenden Wochen weiter verschlechtern wird.

Selbst Gesundheitsminister Javid, der ansonsten eher durch aufmunternde Sprüche und permanenten Zweckoptimismus auffällt, gestand inzwischen ein, der NHS stehe vor seiner schwersten Krise in mehr als 70 Jahren. Zusätzlich zu den hohen Zahlen von COVID-Neuinfektionen, die jetzt regelmäßig zwischen 160.000 und 200.000 Neuinfektionen täglich liegen, kommen jahreszeitlich bedingte Krankenwellen.

Nicht weit vom Kollaps entfernt

Ein Londoner Stationsarzt, der seit mehr als 30 Jahren für den NHS tätig ist, sagte gegenüber der „Ärzte Zeitung“, auf vielen Stationen sei man „nicht weit vom totalen Kollaps entfernt“. Der Ärzte- und Pflegekräftemangel sei „katastrophal“ und er „wird täglich schlimmer“.

Außer den Militärärztinnen und -ärzten hat die britische Armee auch dutzende Ambulanzwagenfahrer und Rettungssanitäter in NHS-Kliniken beordert. Auch im Krankentransportwesen sorgt die Omikron-Infektionswelle für große Personalprobleme.

Klinikverwaltungen mahnten Patienten, nur noch im äußersten Notfall einen Rettungswagen zu rufen und auch nur noch dann in die staatlichen Notaufnahmen der Kliniken zu kommen, wenn dies „absolut notwenig“ sei. Wartezeiten dort betragen mitunter acht Stunden oder noch länger.

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