Großbritannien

UK: 110.000 Ärzte und weitere NHS-Beschäftigte fallen wegen COVID aus

Selbst erkrankt oder in Quarantäne – die Omikron-Variante reißt große Lücken im britischen Gesundheitswesen.

Von Arndt StrieglerArndt Striegler Veröffentlicht:
Premierminister Boris Johnson ordnete zum Jahreswechsel alle Gesundheitsverwaltungen und staatlichen Kliniken im Königreich an, bestehende Notfallpläne zu checken und gegebenenfalls zu aktualisieren.

Premierminister Boris Johnson ordnete zum Jahreswechsel alle Gesundheitsverwaltungen und staatlichen Kliniken im Königreich an, bestehende Notfallpläne zu checken und gegebenenfalls zu aktualisieren.

© Steve Parsons/PA Wire/dpa

London. Omikron sorgt in britischen Kliniken und Hausarztpraxen zu Jahresbeginn für teils chaotische Zustände. Dabei ist es weniger die Zahl der mit einer neu diagnostizierten COVID-Infektion in die Kliniken und Praxen kommenden Patienten. Vielmehr fehlen im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) krankheitsbedingt inzwischen mehr als 110.000 Ärzte, Pfleger und andere Arbeitskräfte.

Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervor geht, waren zum Jahresbeginn landesweit mehr als 110.000 NHS-Bedienstete krankheitsbedingt vom Dienst abwesend. Rund 50.000 von ihnen, darunter auch tausende Ärztinnen und Ärzte, befanden sich in häuslicher Quarantäne, weil sie entweder selbst mit COVID infiziert sind, beziehungsweise weil sie engen Kontakt mit einem neu diagnostizierten COVID-Patienten hatten.

Verdoppelung in 14 Tagen

Die Zahl der COVID-bedingt ausfallenden Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und anderer Gesundheitsbeschäftigter hat sich in Großbritannien allein in den vergangenen 14 Tagen mehr als verdoppelt. Und die Tendenz ist weiter rasant steigend.

Wie dynamisch die Infektionszahlen besonders bei NHS-Beschäftigten gegenwärtig steigen, machen auch folgenden Zahlen deutlich: Am 26. Dezember waren laut Londoner Gesundheitsministerium in staatlichen Akutkrankenhäusern rund 68.000 Ärztinnen und Ärzte und anderes Personal krankheitsbedingt abwesend, rund 25.000 davon wegen COVID. Fünf Tage später, am 31. Dezember, war die Zahl der COVID-bedingt abwesenden NHS-Mitarbeiter um 62 Prozent auf knapp 41.000 Personen gestiegen.

Premierminister Boris Johnson zeigte sich alarmiert angesichts dieser Entwicklungen und ordnete zum Jahreswechsel alle Gesundheitsverwaltungen und staatlichen Kliniken im Königreich an, bestehende Notfallpläne zu checken und diese gegebenenfalls zu aktualisieren. Die Regierung rechnet offenbar für Januar mit einer weiteren Eskalation der ohnehin schon prekären Situation im Gesundheitswesen. Vor dutzenden NHS-Kliniken wurden über die Feiertage Notfallkliniken in Zelten aufgebaut.

Kürzere Quarantäne bislang abgelehnt

In Großbritannien ist es so, dass jeder, der COVID-Symptome bei sich feststellt, angewiesen ist, sieben Tage in häusliche Quarantäne zu gehen. Erst wenn der Patient zwei negative Testergebnisse, die mindestens 48 Stunden auseinander liegen müssen, präsentiert, kann die häusliche Quarantäne beendet werden.

Mehrfach gab es in den vergangenen Tagen Forderungen, die Zeit der Quarantäne von sieben auf fünf Tage zu verkürzen, besonders für NHS-Bedienstete. Das wurde aber jeweils von der Regierung mit dem Hinweis abgelehnt, eine solche Verkürzung könnte mittel- und langfristig die Pandemie eher noch weiter anfachen. (ast)

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