Umfrage

Bürger spüren keinen Ärztemangel

Es herrscht Ärztemangel - und kaum einer bekommt es mit: Die meisten Bürger sind zufrieden mit der Anzahl ihrer Ärzte, zeigt eine Umfrage im Auftrag der Barmer GEK. KBV und BÄK kritisieren die Analyse.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht: 10.12.2012, 16:12 Uhr
Bürger spüren keinen Ärztemangel

Gute Stimmung im Wartezimmer: Laut Umfrage sind die meisten Patienten mit der Erreichbarkeit ihrer Ärzte zufrieden.

© Catherine Yeulet / istockphoto.com

BERLIN. Die Patienten in Deutschland spüren den häufig diskutierten Ärztemangel offenbar nicht.

Mehr als 90 Prozent der Bürger sind sowohl mit der Anzahl als auch der Erreichbarkeit ihrer Hausärzte mindestens zufrieden.

Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Patienten auf dem Land oder in der Stadt ihren Arzt aufsuchen.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest im Auftrag von Barmer GEK und Bertelsmann Stiftung hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Fachärzte kommen nicht so gut weg

Nicht ganz so positiv fällt jedoch das Umfrageergebnis in Bezug auf Fachärzte aus: Je ländlicher die Region, desto geringer ist den Umfrageergebnissen zufolge die Zufriedenheit mit der Anzahl und Erreichbarkeit von Fachärzten.

Lediglich 19 Prozent sind vollkommen zufrieden damit, wie schnell sie ihren Facharzt auf dem Land erreichen. In Städten sind es immerhin noch 26 Prozent.

Jedoch habe die Analyse ergeben, dass unabhängig vom Wohnort gerade Menschen mit schlechtem Gesundheitszustand bisweilen von Problemen berichten, eine Arztpraxis zu erreichen, ergänzte Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

"Tatsächliche Probleme, einen Arzttermin zu bekommen, treten allerdings auf dem Land nicht systematisch häufiger auf als in der Stadt", sagte Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.

Vertrauensbeweis für ambulante Versorgung

Zum Vergleich: Fünf Prozent der Landbevölkerung gab in der Umfrage an, in den letzten zwölf Monaten Probleme gehabt zu haben, einen Hausarzttermin zu bekommen. Beim Facharzt waren es 14 Prozent.

"Trotz aller Dramaturgie in der Diskussion um einen vermeintlichen Ärztemangel wird die ärztliche Versorgung in der Fläche von den Patienten gewürdigt", so Straub. Das sei ein Vertrauensbeweis für die ambulante Versorgung.

Die Bürger blickten jedoch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: 60 Prozent der Befragten rechneten damit, dass sich die Anzahl der Fachärzte nicht verändern werde. 34 Prozent sind hingegen der Meinung, dass es künftig weniger Fachärzte in der Fläche geben wird.

KBV und BÄK kritisieren Auswertung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warf der Krankenkasse vor, die falsche Schlussfolgerung aus den Umfrageergebnissen zu ziehen.

"Es ist ein Trugschluss zu glauben, der Ärztemangel werde überdramatisiert, weil die Bevölkerung diesen jetzt nicht spüren würde", sagte Dr. Andreas Köhler, KBV-Vorstandsvorsitzender.

Schätzungen der KBV zufolge werden bis zum Jahr 2020 immerhin 66.830 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen. "Die Situation wird sich also drastisch verschärfen. Wer den Ärztemangel jetzt noch infrage stellt, verkennt eindeutig die Situation", so der KBV-Chef.

BÄK-Chef Professor Frank Ulrich Montgomery kritisierte die Analyse: "Harte Versorgungsdaten belegen, dass die personellen Lücken in der ambulanten und stationären ärztlichen Versorgung immer größer werden."

Auch die Politik hat auf den drohenden Ärztemangel reagiert. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz, das Anfang 2012 in Kraft getreten ist, wurden verschiedene Weichen gestellt, um Ärzte verstärkt aufs Land zu locken.

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