Soziale Pflegeversicherung
Eigenanteil im Pflegeheim steigt auf durchschnittlich 3.245 Euro pro Monat im ersten Jahr
Schlechte Nachrichten für die rund 750.000 Heimbewohnerinnen und Heimbewohner in Deutschland: Die Zuzahlungen steigen weiter. Der Reformdruck auf Bundesgesundheitsministerin Nina Warken wächst.
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Pflege im Fokus: Bund und Länder wollen bis Ende 2026 eine Reform auf den Weg bringen. (Symbolbild)
© Uwe Anspach/dpa
Berlin. Der Druck auf Bund und Länder, die soziale Pflegeversicherung (SPV) zu reformieren, wächst. Anlass sind aktuelle Zahlen zu den Eigenanteilen in Heimen.
Laut einer Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) beträgt die monatliche Eigenbeteiligung im ersten Aufenthaltsjahr im Heim inzwischen 3.245 Euro im Bundesdurchschnitt. Das seien 261 Euro mehr als im Vorjahr. Hauptkostentreiber seien gestiegene Pflegepersonalkosten.
Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) machte eine ähnliche Rechnung auf: Eine aktuelle Analyse zeige, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz Ende 2025 erstmals bei mehr als 5.000 Euro gelegen hätten, teilte das Institut mit.
Steigende Zuzahlungen trotz Zuschüssen
Eigenanteile im Pflegeheim klettern weiter – im Nordosten auf mehr als 2400 Euro
Von den Gesamtkosten in Höhe von 5.033 Euro zahlte die Pflegekasse demnach im Schnitt 1.539 Euro. Zusätzlich bekamen die Bewohner von der Pflegeversicherung im Schnitt 890 Euro pro Monat für pflegebedingte Eigenanteile in Form der nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge erstattet.
vdek-Chefin Ulrike Elsner betonte, es sei zwar richtig, dass das Pflegepersonal gut bezahlt werde. „Aber es kann nicht sein, dass die Lohnsteigerungen zu einem großen Teil den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden.“ Hier brauche es eine „solidarische Lösung“.
vdek-Chefin Elsner: Brauchen solidarische Lösung
Die Pflegekassen drängen seit geraumer Zeit darauf, dass der Bund der Pflegeversicherung mit Steuermitteln zur Seite springt. Die Bundesregierung hat sich für ein Darlehen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro entschieden.
Diese nur kurzfristige Lösung könne sich 2027 in Gestalt großer Beitragssprünge rächen, hatte zuletzt der GKV-Spitzenverband gewarnt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will zusammen mit den Ländern bis Ende 2026 eine Pflegereform aufs Gleis setzen.
Alte Debatte neu entfacht
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Die Grünen-Sprecherin für Pflegepolitik, Simone Fischer, rief die Koalition dazu auf, beim Thema Pflege endlich zu liefern. Die neuen Zahlen zu den Heimkosten seien „die absehbare Folge politischer Untätigkeit“. Vorschläge, wie sich der Anstieg der Eigenanteile stoppen lasse, lägen längst auf dem Tisch.
Grüne kritisieren „politische Untätigkeit“
In welche Richtung die gehen, ist offen. In einem gemeinsamen Papier haben sich Bund und Länder verschiedene Optionen offengelassen – darunter der sogenannte Sockel-Spitze-Tausch.
Bei diesem würde der Pflegebedürftige einen festen Sockel-Betrag zahlen, die Pflegeversicherung würde die darüber hinausgehenden Pflegekosten tragen. Kritiker halten das Modell für auf lange Sicht kaum finanzierbar. Zudem würden damit die falschen Anreize gesetzt.
Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Dr. Joachim Rock, brach dennoch eine Lanze für die solidarische Pflegevollversicherung. Die wachsenden Belastungen für Pflegebedürftige müssten gestoppt werden. „Für immer mehr Menschen wird Pflegebedürftigkeit zur Armutsfalle.“
Befragung im Bundestag
Merz hadert mit Ergebnissen der Reformkommission zur sozialen Pflegeversicherung
Arbeitgeber und Privatversicherer halten die Pflegevollversicherung für einen Irrweg – einen kostspieligen zudem. Laut Wissenschaftlichem Institut der PKV würde eine Vollversicherung alleine für die stationäre Pflege bis zu 17,5 Milliarden Euro im ersten Jahr zusätzlich kosten.
Vollversicherung: Ausweg oder Sackgasse?
Der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV), Dr. Florian Reuther, appellierte an die Länder, ihrer Verantwortung bei der Investitionskostenförderung für Pflegeeinrichtungen nachzukommen. „Wer Pflege bezahlbar halten will, muss die Investitionskostenförderung der Länder deutlich erhöhen.“
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) erklärte, der Freistaat nehme seine Verantwortung diesbezüglich „sehr ernst“. So unterstütze die Landesregierung über das Förderprogramm „PflegesoNah“ seit 2020 Investitionen in Pflegeeinrichtungen.
Gerlach erinnerte daran, dass das Bundesgesundheitsministerium im Februar mit den Ländern in den weiteren Austausch zur Pflegereform treten und seine Planungen vorstellen wolle. Nötig sei ein „ausgewogener Mix“ aus Beiträgen, Steuerzuschüssen und Eigenvorsorge. (hom)






