10-Punkte-Plan

COVID-19-Pandemie: BÄK fordert nationale Reserve an Schutzkleidung

Deutschland sei bislang gut durch die Pandemie gekommen, betont die Bundesärztekammer. Die Krise offenbare aber auch Defizite. Welche das sind und wie sie sich abstellen ließen, hat die Kammer in einem Zehn-Punkte-Papier zusammengefasst.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt

BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt wertet das 10-Punkte-Papier aus seinem Haus als „Erfahrungsbericht aus dem Gesundheitswesen“.

© Rolf Schulten

Berlin. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat eine nationale Bevorratung an Schutzkleidung und Hygieneprodukten als Konsequenz aus der Coronavirus-Pandemie gefordert.

Masken und „relevante Medizinprodukte“ hätten in der „Hochphase der Pandemie“ in vielen Praxen und Krankenhäusern gefehlt, kritisiert die Kammer in einem am Freitag vorgelegten Zehn-Punkte-Papier zur Bewältigung der Corona-Krise.

Dass das Gesundheitswesen trotzdem nicht kollabiert sei, habe man der „beispiellosen Einsatzbereitschaft von Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen der anderen Gesundheitsfachberufe“ zu verdanken.

„Ratgeber von ärztlichen Praktikern“

BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt bezeichnete das Zehn-Punkte-Papier als „Erfahrungsbericht aus dem Gesundheitswesen“. Der Politik könne es „ein wichtiger Ratgeber von ärztlichen Praktikern“ sein.

Deutschland habe bei der Bewältigung der Corona-Pandemie vieles richtig gemacht, sagte Reinhardt. Es seien aber auch Schwachstellen in der Organisation des Gesundheitswesens zu Tage getreten.

Diese beträfen etwa die Ausstattung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Meldestrukturen bei Infektionen oder die Finanzierung von Kliniken und Praxen. „Wir müssen deshalb jetzt die Hebel umlegen und diese Defizite beseitigen.“ Dann lasse sich die Pandemie auch weiterhin beherrschen.

Konkret fordert die BÄK in ihrem Papier unter anderem:

  • Meldewesen bei Infektionskrankheiten: Aufbau von europaweit vernetzten Meldestrukturen sowie einer zentralen Koordinierungsstelle, die kurzfristig Auftragsvergabeverfahren für dringend benötigte Arzneimittel oder Schutzausrüstung durchführt und die Verteilung organisiert.
  • Krisenstäbe mit klaren Zuständigkeiten: Im Infektionsschutzgesetz sollen laut BÄK „feste Krisenstäbe mit klar definierten Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten“ angelegt werden. Bundesärztekammer und Landesärztekammern seien dabei einzubinden.
  • Krankenhäuser und Praxen besser aufstellen: Kliniken seien Einrichtungen der Daseinsvorsorge und keine Industriebetriebe, so die BÄK. Personalressourcen und Reservekapazitäten müssten daher in der Krankenhausplanung ausreichend definiert, umgesetzt und finanziert sein. Für die Praxen sei eine „angemessene Gegenfinanzierung“ – etwa für Umbauten zum Schutz von Personal und Patienten und für die Umstellung des Praxismanagements – erforderlich.
  • Verbindliche Teststrategie: Für medizinische Einrichtungen und Arztpraxen ist laut BÄK eine einheitliche und verbindliche Teststrategie einzuführen. Diese habe indizierte Testungen für Patienten und Angehörige der Gesundheitsfachberufe zu beinhalten. Mit Blick auf einen möglichen Impfstoff fordert die BÄK, vorhandene Produktionsstandorte in Deutschland auszubauen.
  • Den ÖDG stärken: Die Gesundheitsämter brauchen laut BÄK dringend mehr materielle und personelle Ressourcen. Neben modernen digitalen Kommunikationssystemen sollen zudem Anreize für Ärzte geschaffen werden, im ÖGD tätig zu werden. Dafür sei eine tariflich gesicherte, arztspezifische Vergütung der Amtsärzte unabdingbar.
  • Krise als Treiber der Digitalisierung: Notwendig sind laut BÄK der flächendeckende Ausbau zertifizierter Videokonferenzen, ein besserer Zugang zu Wissensdatenbanken und aktuellen Forschungsergebnissen für Ärzte sowie der Ausbau von Telekonsilen. Monitoring-Möglichkeiten für ambulante Patienten seien zu etablieren und leistungsgerecht zu vergüten.
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