Reisewarnung und strengere Regeln für Bars

COVID-Zahlen in Spanien schnellen in die Höhe

Auf den Balearen geht es wieder rückwärts: Wegen steigender Infektionszahlen werden etwa Diskotheken geschlossen und Kontrollen verschärft. Viele Infektionsherde sind nicht unter Kontrolle.

Von Manuel Meyer Veröffentlicht:
Für fast ganz Spanien hat das deutsche Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen. Im Bild: Leere Terrasse eines Restaurants neben dem Strand Can Pastilla in Palma de Mallorca am 18. August.

Für fast ganz Spanien hat das deutsche Auswärtige Amt eine Reisewarnung ausgesprochen. Im Bild: Leere Terrasse eines Restaurants neben dem Strand Can Pastilla in Palma de Mallorca am 18. August.

© Clara Margais/dpa

Palma. Francina Armengol, Präsidentin der Balearen, richtete sich direkt an die Jugendlichen auf Mallorca und den Nachbarinseln: „Derzeit stecken sich vor allem junge Menschen mit COVID-19 an. Viele zeigen keine Symptome. Doch einige liegen bereits auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Auch Ihr könnt schwere gesundheitliche Folgen erleiden. Bitte haltet Euch zurück beim Feiern und Ausgehen!“

Doch bei den rasant zunehmenden Infektionszahlen wollte es Armengol nicht einfach beim Appell belassen. Mallorcas Diskotheken machen vorerst wieder dicht. Wahrscheinlich bis ein Impfstoff gefunden ist. Bars und Restaurants müssen um 1 Uhr nachts schließen. Die Regierung will auch die Einhaltung des Mindestabstands der Tische verstärkt kontrollieren.

Schluss mit lustig

Rauchen auf der Straße wird verboten, Partyboot-Touren auch. Mit dem Feiern am Ballermann tagsüber ist auch Schluss. Größere Events müssen von der Regionalregierung genehmigt werden.

Noch vor drei Wochen rangierten die Balearen bei einem Neuinfizierten-Wert von 6,7 pro 100.000 Einwohner. Mittlerweile sind es täglich mehr als 50, weshalb die deutsche Bundesregierung auch die Balearen in die allgemeine Reisewarnung für Spanien aufgenommen hat. In den letzten 24 Stunden registrierte Spanien landesweit 3349 Neuinfektionen. Hunderte kleine Infektionsherde sind derzeit übers ganze Land verteilt. Mittlerweile verzeichnet Spanien im Schnitt 142 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Steigende Infektionszahlen an Küstenregionen

In Aragonien, im Baskenland und in den Großstädten wie Madrid, Barcelona oder Valencia ist die Lage besonders schlimm. In ländlichen Regionen mit Obst- und Gemüseanbau infizieren sich vor allem Erntehelfer aufgrund unzureichender Schutzmaßnahmen. Stark nimmt die Zahl aber auch in den touristischen Küstenregionen wie Andalusien, Katalonien und auf den Balearen zu, wo sich die Bevölkerungszahl im Sommer nahezu verdreifacht und eine Kontrolle der Infektionen erschwert.

Schuld sind aber nicht die internationalen Touristen. Auf den Balearen sind beispielsweise nur neun Prozent der insgesamt 68 registrierten Infektionsherde „eingeschleppt“. Und die vor allem vom spanischen Festland. Dutzende Infizierte kamen aus Madrid und Katalonien. Kontrollen und Temperaturmessungen auf innerspanischen Flügen gibt es nicht.

Jeder Zweite unter 35 wohnt noch bei Eltern

Wie die Balearen verschärfen nun auch die anderen spanischen Regionen mit Blick auf die wieder zunehmenden Corona-Infektionszahlen die Schutzmaßnahmen. Die Gründe für die hohen Zahlen in Spanien sind vor allem im familiären Umfeld sowie im Ausgehverhalten der jungen Leute zu suchen, versichert Ildefonso Hernández Aguado der „Ärzte Zeitung“.

„Auf Familientreffen und Feiern werden oftmals die sozialen Mindestabstände nicht eingehalten. Ebenso in Diskotheken und Bars“, so der Epidemiologe und Sprecher des Spanischen Vereinigung für öffentliche Gesundheit (SESPAS). Die Regierung habe vor allem ein „kommunikatives Problem“ gehabt, jungen Menschen zu vermitteln, dass gerade sie häufig Corona-Superspreader sind. „Ein großes Problem, bedenkt man, dass rund 50 Prozent aller unter 35-Jährigen in Spanien noch bei ihren Eltern wohnen“, meint Hernández Aguado.

„Die Entwicklung sieht nicht gut aus“

Große Probleme habe Spanien neben der Vorbeugung auch bei der Rückverfolgung. Es fehlt Technologie und Personal. Wer in Spanien ins Restaurant geht, braucht auch nicht seine Kontaktdaten zu hinterlassen. Corona-Apps werden nur von wenigen benutzt.

„Dass wir so viele Fälle registrieren, liegt auch daran, dass wir sehr viel mehr Tests durchführen als zuvor“, erklärt Fernando Simón. Doch auch der Leiter der spanischen Seuchenzentrale gibt zu: „Die Entwicklung sieht nicht gut aus und viele Infektionsherde sind nicht unter Kontrolle“.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

In Ländern mit niedrigem Einkommen

Hohe Morbidität und Mortalität bei rheumatischer Herzkrankheit

Unterschiedliche Regelungen

Impfen in Apotheken: Bunter Flickenteppich in Europa

Das könnte Sie auch interessieren
Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

© Viacheslav Yakobchuk / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Springer Pflege

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

Anzeige | Pfizer Pharma GmbH
COVID-19 in der Langzeitpflege

© Kzenon / stock.adobe.com

Springer Pflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

Anzeige | Pfizer Pharma GmbH
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Untypisches Krankheitsbild

Hinter dieser Appendizitis steckte ein Erreger

Qualität im stationären Sektor

Lauterbach will Klinik-Atlas überarbeiten

Lesetipps
Globuli in Fläschchen

© ChamilleWhite / Getty Images / iStock

Leitartikel

Homöopathie: Eine bloße Scheindebatte

Eine neue Leitlinie, die Ende diesen Jahres veröffentlicht werden soll, soll Ärzten und Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung helfen, Patienten und Patientinnen zur Vitamin-D-Substitution adäquat zu beraten.

© irissca / stock.adobe.com

32. Jahreskongress der SGAM

Empfehlungen zur Vitamin-D-Substitution: Neue Leitlinie angekündigt