Primär für über 60-Jährige

Corona-Vakzine von Johnson & Johnson ohne Priorisierung

Auch der nächste Vektorimpfstoff gegen SARS-CoV-2 soll vor allem bei Älteren eingesetzt werden. Zudem wird die Priorisierung für die Vakzine von Johnson & Johnson aufgehoben, so ein Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Keine Priorisierung mehr: Spritzen mit Corona-Impfstoff von J&J.

Keine Priorisierung mehr: Spritzen mit Corona-Impfstoff von J&J.

© Henning Kaiser / dpa

Berlin. Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson (J&J) soll in Deutschland primär nur an Menschen ab 60 Jahren verimpft werden. Das sieht ein aktueller Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern vor.

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) folgt damit einem Beschlussentwurf der Ständigen Impfkommission (STIKO). Hintergrund der Entscheidung sind Fälle von Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit einer Impfung mit den Vakzinen von J&J. Man nehme diese Fälle „ernst“, heißt es im Beschluss der GMK.

„Nach individueller Risikoakzeptanz“

Die Gesundheitsminister beschlossen zudem, die Priorisierung für die Vakzine von J&J aufzuheben. Menschen, die jünger als 60 Jahre sind, sollen demzufolge „nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoakzeptanz entscheiden“ können, ob sie den Impfstoff in Arztpraxen oder – demnächst – von Betriebsärzten verimpft bekommen möchten. Letztere sollen voraussichtlich ab Anfang Juni regelhaft gegen SARS-CoV-2 mitimpfen.

Auf diese Weise solle eine „effiziente Organisation der Schutzimpfungen sowie eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe von J&J“ sichergestellt werden, betont die GMK in ihrem Beschluss. Ähnlich waren die Gesundheitsminister bei der Vakzine von AstraZeneca vorgegangen.

Angebot an Wohnungslose

Offenbar gehört zur vereinbarten Freigabe-Strategie auch, schwer erreichbare Gruppen so leichter anzusprechen zu können. Weil der Impfstoff von Johnson & Johnson nur einmal gespritzt werden müsse, eigne er sich gut als Angebot an Wohnungslose, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag vor der Bundespressekonferenz.

„Mit einer entsprechenden Aufklärung und mobilen Impfteams können auch in sozialen Brennpunkten die Menschen niedrigschwellig erreicht werden“, strich die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag Christine Aschenberg-Dugnus die Vorteile der Einmalimpfung heraus. Zudem könne damit auch in Einkaufszentren und auf Parkplätzen geimpft werden.

Spahn: Keine negativen Effekte auf Impfkampagne

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Montagvormittag, er gehe nicht davon aus, dass die Entscheidung zu J&J „negative Effekte“ auf die Impfkampagne habe.

Verstärkt zum Einsatz käme die Vakzine in Deutschland im Juni und im Juli – dann sollten davon mehr als zehn Millionen Dosen geliefert werden. Spätestens Anfang Juni sei aber das Gros der über 60-Jährigen bereits geimpft worden. Deswegen sei es – „mitten in dieser Phase der Pandemie und bei Nebenwirkungen, die ernst, aber doch sehr selten berichtet sind“ – sinnvoll, die Priorisierung für den Impfstoff von J&J aufzuheben.

Das Beispiel AstraZeneca zeige, dass es „viel Nachfrage“ nach einer Impfung über alle Altersgruppen gebe. „Ich bin sehr sicher, das wird auch bei Johnson & Johnson so sein durch die Regelung, wie sie jetzt gefunden ist.“

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Mittlerweile seien bundesweit insgesamt mehr als 35 Millionen Impfdosen verabreicht worden – rund 27,2 Millionen Menschen hätten bereits eine Erstimpfung erhalten, berichtete Spahn. Das sei beinahe jeder dritte Bundesbürger. 7,8 Millionen Menschen hätten die Zweitimpfung und damit vollständigen Impfschutz erhalten. „Wir sind weiter mit guter Geschwindigkeit beim Impfen dabei“, sagte Spahn.

Es gelte, das Tempo aufrechtzuerhalten, so der Minister weiter. Dafür sei auch der Impfstoff von J&J wichtig, da er „einen qualitativen Unterschied“ zu den anderen Vakzinen habe: Er müsse nur einmal verabreicht werden, um volle Wirkung zu entfalten.

Warnung vor zu schnellen Lockerungen

Mit Blick auf die Corona-Lage in Deutschland betonte Spahn, „das Gefühl ist im Moment besser als die Lage“. Das habe sowohl mit dem frühsommerlichen Wetter des vergangenen Wochenendes als auch mit sinkenden Inzidenzen zu tun. „Aber wir sind immer noch auf einem sehr, sehr hohen Niveau.“ Aus Zuversicht dürfe jetzt „kein Übermut“ werden.

Deutschland lockere aktuell bei deutlich höheren Inzidenzen als dies im Ausland, etwa in Großbritannien, passiert sei, sagte Spahn. Wenn geöffnet werde, dann vorrangig im Außenbereich. Auf Pfingst- und Sommerurlaube angesprochen warb Spahn dafür, dies vor allem testgestützt zu machen. Das diene auch dem Schutz der Regionen, in die die Menschen reisten. (Mitarbeit af)

J&J-Impfstoff: Abrechnung mit der GOP 88334

Noch wird kein Impfstoff von Johnson & Johnson an die Arztpraxen geliefert. Doch die KBV hat in ihrer „Praxisinfo Coronavirus“ zur Schutzimpfung bereits die zu nutzende Pseudoziffer genannt: Es die Gebührenordnungsposition (GOP) 88334.

Da der Impfstoff von Johnson & Johnson bekanntlich nur einmal geimpft werden muss, um eine Immunisierung zu erreichen, gibt es auch, anders als bei den anderen Impfstoffen, keine Differenzierung nach Erst- und Abschlussimpfung durch die Zusätze A und B (allgemeine Indikation), V und W (berufliche Indikation) oder G und H (Heimbewohner/in). Vielmehr schreiben Ärzte bei allgemeiner Indikation die GOP 88334 ohne Zusatz auf.

Bei beruflicher Indikation wird die GOP 88334Y abgerechnet, bei der Impfung im Pflegeheim die GOP 88334I. Wie die anderen Impfungen ist auch diese mit 20 Euro bewertet. (ger)

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Kommentare
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Dr. Peter Schimmelpfennig

Lockerungen sind dauerhaft ausgeschlossen. Mehrfache Intensivbettenzahl pro Einwohner und eine im Vergleich zu England und USA unvergleichlich bessere medizinische Versorgung sind keine stichhaltigen Argumente. Auch ausufernde Kollateralschäden und Bildungsverfall sind uninteressant und müssen zurückstehen. Die Pandemie konzentriert ihr Treiben nun weltweit überwiegend in Deutschland und wir werden diesen Erreger besiegen.


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