Direkt zum Inhaltsbereich

Das vom liberalen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler favorisierte Modell der Gesundheitsprämie in der GKV bekommt nicht nur von der politischen Opposition Konkurrenz. Auch die Gewerkschaften würden lieber heute als morgen in die "soziale Bürgerversicherung" einsteigen und Röslers "Kopfpauschale" auf die Müllhalde der Geschichte werfen.

Eine Expertenkommission, einberufen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), hat ein Modell vorgelegt, wie sich Gewerkschafter die "Eine für alle" vorstellen: Dem Konzept für eine "soziale Bürgerversicherung" zufolge soll die GKV wieder zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert werden. Das käme einer Doppelkorrektur bisheriger GKV-Politik gleich: Sowohl die erstmalige Aufkündigung der Parität durch die frühere SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wie auch die von Union und FDP beschlossene Festschreibung des Arbeitgeberbeitrags würden einkassiert.

Die Beitragsbemessungsgrenze soll nach Vorstellungen der Gewerkschaften entweder ganz fallen oder kräftig angehoben werden - von derzeit 3750 auf künftig 5500 Euro monatlich. Außerdem sollen neben Lohn oder Gehalt auch Kapitaleinkünfte wie Miet- und Zinserträge "verbeitragt" werden.

Bei Einbeziehung dieser Einkünfte könne der Beitragssatz zur GKV um 2,2 Prozentpunkte abgesenkt werden, rechnet DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach vor. Die Grünen hatten eine Absenkung von "mindestens 1,6 Prozent" in Aussicht gestellt, sollte ihr Modell der "grünen Bürgerversicherung" das Licht der Welt erblicken.

Geschichte wären bei Umsetzung des Bürgerversicherungsmodells des DGB die privaten Krankenversicherungen. Geht es nach dem Willen der Gewerkschaften, würde die PKV sukzessive abgeschafft. So weit gehen selbst die Grünen nicht. Sie sprechen sich in ihrem Modell nur dafür aus, das Krankenversicherungsgeschäft der Privaten auf bestimmte Zusatzpolicen zu begrenzen.

Bei der PKV stößt das DGB-Modell erwartungsgemäß auf Ablehnung. Die "sogenannte Bürgerversicherung, so PKV-Vorstand Reinhold Schulte, sei in Wahrheit eine Mogelpackung. "Sie soll vor allem dazu dienen, der aktiven Generation noch mehr Geld abzunehmen als heute."

Bei Abschaffung der PKV würde dem Gesundheitssystem ein milliardenschwerer Finanzierungsbeitrag flöten gehen. "Mit entsprechenden Einbußen in der Versorgungsqualität und negativen Folgen für alle Patienten", warnt Schulte. Bange ist dem PKV-Mann aber nicht zumute: Die "Zwangs-Umstellung" der Privatversicherten würde mit Sicherheit am Einspruch des Bundesverfassungsgerichts scheitern. (hom)

Zur Jahresendausgabe 2010 der "Ärzte Zeitung" mit allen Artikeln

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Debatte um Spargesetz

Streichung der TSVG-Honorare: Ärzte und Krankenkassen im Nahkampf

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

© HL

Herbstsymposium der Paul-Martini-Stiftung

Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Private Nachsendung funktionierte nicht

VGH Mannheim: Bei einem Umzug das Versorgungswerk nicht vergessen

Lesetipps
Eine Frau hält Tabletten in der Hand

© Dusan / stock.adobe.com

Differenzierung ist entscheidend

INOCA/ANOCA: Welche Therapie ist die richtige?

Kardiologe Oliver A. Schmidt

© privat

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt