Multimorbidität

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den multimorbiden Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand.

Von Anne Zegelman Veröffentlicht:
Der multimorbide Patient im Mittelpunkt einer brandneuen S3- Leitlinie.

Der multimorbide Patient im Mittelpunkt einer brandneuen S3- Leitlinie.

© Scott Griessel / photos.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

BERLIN. Am Donnerstag hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) die von vielen Ärzten mit Spannung erwartete neue S3-Leitlinie Multimorbidität vorgestellt. Im Mittelpunkt steht – der Komplexität jedes einzelnen Behandlungsfalls mit mindestens drei chronischen Krankheiten entsprechend – keine konkrete Behandlungsanweisung, sondern ein Gesprächsschema.

"Unsere Leitlinie soll vor einer kumulierten Anwendung monomorbider Leitlinien schützen, indem sie das ,große Ganze‘ in den Mittelpunkt rückt", heißt es in der Einführung. Und dazu gehört, wie es das Autorenteam rund um DEGAM-Vizepräsident Professor Martin Scherer formuliert, der bewusste Verzicht auf diagnostische und therapeutische Prozeduren, die keinen relevanten Effekt auf die Gesamtsituation des Patienten haben, sondern, obwohl jeweils für sich genommen leitliniengetreu, zusammengenommen in Konflikt miteinander geraten.

Stattdessen wird dem Gespräch mit dem Patienten ausdrücklich die zentrale Rolle im Behandlungsprozess zugeschrieben. Dafür liefert die DEGAM nun ein Schema, genannt "Meta-Algorithmus", das den "übergeordneten hausärztlichen Denkprozess" abbilden soll. Die in einer Grafik aufgeschlüsselten Entscheidungswege sollen als genereller Wegweiser dienen.

So sollen Ärzte beim Gespräch mit multimorbiden Patienten nun leitliniengerecht vorgehen:

- Aktueller Beratungsanlass: Das aktuelle Symptom darauf überprüfen, ob es im Zusammenhang mit einer bekannten Ursache/Diagnose steht.

- Wenn ja: Einordnung und Überleitung in übergreifendes Krankheitsmanagement (unter anderem Medikamentenreview, schnittstellenbedingte Problemlagen) oder in ein problemspezifisches Management (mit Leitlinien für Einzeldiagnosen als Grundlage).

- Wenn nein: Identifikation der Ursache, Ausschluss von abwendbar gefährlichen Verläufen wie krankheitsbedingten Komplikationen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Autonomieverlust.

"Eine wesentliche Voraussetzung für die Bewältigung komplexer Problemlagen bei Multimorbidität ist hinreichend Zeit für die Kommunikation zwischen Arzt und Patient", heißt es in der Präambel der Leitlinie. Politik, Arzte und Gesellschaft müssten entsprechende Voraussetzungen schaffen.

Die neue S3-Leitlinie Multimorbidität:

www.degam.de/degam-leitlinien-379.html

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