Interview

„Datenschutz muss oberste Priorität haben“

Die Barmer baut die Versorgungsforschung aus. Welche Rolle das neue Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) dabei spielt und warum Versichertendaten besonders schützenswert sind, sagt Barmer-Chef Professor Christoph Straub im Interview.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 22.06.2020, 15:20 Uhr
„Datenschutz muss oberste Priorität haben“

Erläutert die Ziele des neuen, kasseneigenen Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg): Barmer-Vorstandschef Professor Christoph Straub.

© Stephanie Pilick

Ärzte Zeitung: Herr Professor Straub, wer forscht im bifg und mit welchem Ziel?

Professor Christoph Straub: Die Barmer nimmt seit vielen Jahren eine Vorreiterrolle in der Versorgungsforschung ein und gestaltet die Gesundheitsversorgung so aktiv mit. Diese Kompetenz wollen wir im Sinne unserer Versicherten noch einmal stärken. Deshalb haben wir das bifg gegründet.

Wir verfolgen im Wesentlichen zwei Ziele: Die Versorgung soll differenziert analysiert und das Potenzial für die gezielte Verbesserung beschrieben werden. Dazu forschen Experten unterschiedlicher Disziplinen in den Bereichen „Strategische Analysen“, „Gesundheitssystemforschung“ und „Medizin und Versorgungsforschung“. Unterstützt wird das Institut von einem wissenschaftlichen Beirat.

Über- und Unterversorgung, Zusammenarbeit der Sektoren, Pflege!? Gibt es erste Schwerpunkte?

Straub: Zum einen gibt das bifg die Versorgungsreporte der Barmer und die Publikation „Gesundheitswesen aktuell“ heraus. Zum anderen stehen derzeit die Themen Finanzierung der GKV, Begleitung der Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs, die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die sektorenübergreifende Versorgung im Vordergrund. Dazu sind komplexe Datenanalysen erforderlich.

Darüber hinaus befasst sich das bifg mit Mindestmengen, den Auswirkungen des ICD11 auf Klassifikationssysteme sowie der Markt- und Preisentwicklung im Segment von Arzneimittelinnovationen. Das Institut wird seine Schwerpunkte sukzessive ausweiten.

Bestreben der Politik ist es, die aus der Digitalisierung gewonnenen Patientendaten stärker zu nutzen. Das richtige Ansinnen?

Straub: Das Vorhaben geht in die richtige Richtung. Die aus der Digitalisierung gewonnenen Daten können eine wertvolle Quelle sein, um Gesundheitsversorgung und Gesundheitsforschung maßgeblich weiterzuentwickeln. Dabei muss der Datenschutz aber oberste Priorität haben. Nur wenn die Daten keinerlei Rückschlüsse auf einzelne Versicherte zulassen, kann es eine breite Akzeptanz für deren verstärkten Einsatz in der Versorgungsforschung geben.

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