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"Den Patienten" gibt es im Versorgungsalltag nicht

Die einen wollen selbst entscheiden, die anderen überlassen Entscheidungen grundsätzlich dem Arzt: Patienten sind nicht in ein Schema zu pressen.

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MÜNCHEN (sto). Das Gesundheitswesen wird sich künftig sehr viel mehr als bisher am Patienten orientieren. Bei einer Fachtagung der Techniker Krankenkasse (TK) in München sprachen Experten sogar von einer "Dritten Revolution im Gesundheitswesen". Die Krankenkassen, die sich bisher vor allem auf die Leistungserbringer zentriert haben, werden sich künftig verstärkt an den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Versicherten orientieren, prognostizierte Hardy Müller vom Wissenschaftlichen Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG).

Das Prinzip Pay for Performance (P4P) werde durch "Call for Performance" (C4P), also die Forderungen der Versicherten, ergänzt werden. Voraussetzung dafür seien mehr Beteiligungsrechte und bessere Informationen für Patienten, erläuterte Müller. Dieser Aufgabe müssten sich Ärzte und Krankenkassen gemeinsam stellen. Für ein partnerschaftliches Verhältnis von Arzt und Patient plädierte Dr. Peter Scholze, Vorstandsbeauftragter für Patientenorientierung der KV Bayerns (KVB). Schließlich gehe es bei einer Behandlung um die gemeinsame Verfolgung von Aufgaben und Zielen.

Scholze räumte jedoch ein, dass es "den" Patienten nicht gibt. Die einen wollen selbst entscheiden, die anderen überlassen die Entscheidung dem Arzt. "Man darf die Patienten nicht unter-, aber auch nicht überfordern", sagte Scholze. Zugleich äußerte er den Wunsch, dass sich Patienten besser auf einen Arztbesuch vorbereiten, indem sie beispielsweise eine genaue Liste aller einzunehmenden Medikamente mitbringen oder sich offene Fragen notieren.

Wenn Patienten in der Behandlung besser "mitgenommen" werden, könnte dies nach Ansicht der Staatssekretärin im Bayerischen Gesundheitsministerium, Melanie Huml, zu mehr Effizienz im Gesundheitswesen beitragen. Denn mangelnde Compliance verursache schätzungsweise jährlich bis zu 15 Milliarden Euro an unnötigen Ausgaben im Gesundheitswesen, sagte Huml.

Dass das Ministerium die Entwicklung in Richtung mehr Patientensouveränität ernst nehme, zeige im Übrigen die Einführung einer Patientenbeauftragten zum 1. November. Eine ihrer zentralen Aufgaben werde es sein, eine Mittlerrolle zwischen Patienteninitiativen, Krankenkassen und Ärzteorganisationen zu übernehmen.

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