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Kommentar zu Gröhes Pläne

Die Ideen sind frei

Darf man erwarten, dass sich Studenten zum Start ihres Studiums auf weit mehr als zehn Jahre festlegen?

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:

Man wird dem neuen, erst seit wenigen Wochen amtierenden Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe Gedankenfreiheit zu billigen müssen, wenn er jetzt in ersten Interviews Ideen für die zukünftige Sicherung der ärztlichen Versorgung vor allem in strukturschwachen Regionen präsentiert.

Das meiste dürfte den "alten Hasen" im System längst bekannt sein. Dies gilt auch für Gröhes Vorschlag, die Erlangung eines Studienplatzes zu erleichtern, wenn Studenten sich verpflichten, später - nach Aus- und Weiterbildung - in unterversorgten Regionen zu arbeiten.

Grundsätzlich sollte es in der Politik kein Ideenverbot geben. Aufgabe der Politik ist es freilich auch, Ideen zu systematisieren und ein Konzept zu schneidern, dessen Instrumente zielführend, rechtssicher und finanzierbar sind.

Und hier begegnet die Verknüpfung von Zulassungsbedingungen für Medizinstudenten mit einer weitreichenden Verpflichtung für eine ganz bestimmte, weit in der Zukunft liegenden Tätigkeit als Arzt einigen Bedenken.

Wie ist es denn zu bewerten, dass sich ein Abiturient im zarten Alter von 20 Jahren mit dem Wunsch, Medizin zu studieren, einen Zulassungsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern um einen Studienplatz verschafft, indem er - gutgläubig, naiv, leichtsinnig, hintersinnig auf Auswege spekulierend - verpflichtet, zwölf bis 15 Jahre später, wahrscheinlich verheiratet, vielleicht mit Kind und Kegel, die hausärztliche Versorgung in Waldhessen, auf der Ostalb oder auf den Seelower Höhen anzutreten?

Welche Sanktion soll folgen, wenn die Verpflichtung nicht eingehalten wird? Vor allem aber: Darf man von Abiturienten erwarten, dass sie zum Start ihres Studiums ihre Neigungen, Talente und möglichen Entwicklungen so gut abschätzen können, dass sie sich auf weit mehr als zehn Jahre festlegen?

Bei künftigen Studienräten für Latein oder Mathematik mag dies vorstellbar sein. In der dynamischen, hoch spezialisierten Welt der Medizin und der Gesundheitsversorgung wohl kaum.

Lesen Sie dazu auch: Gröhe: Leichterer Zugang zum Medizinstudium

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Kommentare
Dr. Helmut Müller 06.01.201415:34 Uhr

Uralter Wein in runderneuerten Schläuchen ...

Wie verzweifelt muss die Situation im Berliner Gesundheitsministerium sein, wenn man die Vorschläge liest, die Neu-Minister Gröhe jetzt veröffentlicht. Abgesehen davon, dass Verpflichtungen, die einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren betreffen in aller Regel wertlos sind, so würden die jetzt ins Auge gefassten Maßnahmen frühestens in ca. zehn Jahren wirken (Studium plus Weiterbildung Allgemeinarzt). Und bis dahin ??? In den nächsten fünf Jahren werden zahlreiche Mediziner in Klinik und Praxis das langersehnte Ruhestands-Alter erreichen. Was geschieht mit diesen Vakanzen ? Oh Herr, wirf Hirn herab !

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