Hamburg

Doch noch eine zweite Chance für die Pflegekammer

Auch wenn eine Befragung zur Gründung einer eigenen Pflegekammer in Hamburg im vergangenen Jahr negativ ausfiel, geben die Befürworter die Hoffnung nicht auf. Auch über die Gründe des Abstimmungsergebnisses wurde nun noch einmal diskutiert.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:

HAMBURG. Pflegekräfte in Hamburg geben trotz der verlorenen Abstimmung die Hoffnung auf eine eigene Pflegekammer nicht auf. Vertreter des Pflegerates hoffen langfristig auf den Gesetzgeber - eine neuerliche Abstimmung dagegen halten sie für unrealistisch.

"Eine weitere Diskussion oder Abstimmung über die Pflegekammer wird es in dieser Legislaturperiode nicht geben", berichtete Christiane Kallenbach, Vorsitzende des Hamburger Pflegerates, über das Ergebnis eines Gesprächs mit der Gesundheitsbehörde.

Die hatte vor der Befragung der Berufsangehörigen im vergangenen Jahr die weitere Entwicklung wie berichtet vom Ausgang der Umfrage abhängig gemacht - und der fiel zur Überraschung des Pflegerates gegen die Kammergründung aus.

Gespannter Blick auf die Nachbarn

Nun hoffen die Befürworter darauf, dass Pflegekammern, nachdem sie sich in den ersten Bundesländern bewährt haben, später in allen Bundesländern kommen, indem der Gesetzgeber Aufgaben auf zu gründende Kammern überträgt.

Hamburg blickt deshalb zunächst gespannt auf Rheinland-Pfalz, aber auch auf die Nachbarländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wo Pflegekammern kommen werden.

Frank Vilsmeier vom Deutschen Pflegerat hielte es nicht für gerechtfertigt, wenn künftig in jedem Bundesland vor der Kammergründung eine Befragung stattfände. Er verwies auf einer Veranstaltung des Hamburger Pflegerates darauf, dass der Gesetzgeber auch bei anderen Gesetzesvorhaben keine Befragungen vorschaltet.

Über die Gründe der verlorenen Abstimmung wurde in Hamburg noch einmal diskutiert. Vilsmeier führte die Niederlage insbesondere auf unzureichende Informationen der Pflegekräfte in der Hansestadt und eine zum Teil verfolgte Blockadepolitik der privaten Arbeitgeber zurück.

Private Arbeitgeber als große Gegner

Die privaten Arbeitgeber gelten als einer der größten Gegner einer Pflegekammer in Hamburg. Bei den ebenfalls kritischen Gewerkschaften beobachten Vertreter des Pflegerates dagegen in einigen Bundesländern eine zögerliche Annäherung.

Dr. Edith Kellnhauser, die sich seit Jahrzehnten für die Gründung von Pflegekammern in Deutschland einsetzt und in Rheinland-Pfalz Pflegewissenschaft und Pflegemanagement gelehrt hat, stellte die Bedeutung von wiederkehrenden Informationsveranstaltungen zum diesem Thema heraus - in Rheinland-Pfalz habe es vor der Entscheidung für eine Pflegekammer hunderte solcher Veranstaltungen gegeben.

Anderes Selbstbild in Großbritannien

Sabine Torgler, deutsche Krankenschwester in England und dort Pflichtmitglied in der Pflegekammer, berichtete von einem anderen Selbstbild des Berufsstandes in Großbritannien und mehr Wertschätzung - verbunden mit mehr Verantwortung, mehr Teamarbeit mit Ärzten, aber auch mit einem besseren Stellenschlüssel.

All das, so Torgler, habe sich der Berufsstand dort aber mühsam erkämpfen müssen, auch mit Unterstützung der Pflegekammer. Die wird es in Hamburg voraussichtlich auch mittelfristig zwar nicht geben, langfristig aber bleibt Kallenbach optimistisch.

Dass Hamburg nun nicht zu den ersten Bundesländern mit Pflegekammer gehören wird, hat immerhin auch eine gute Seite, die sie betonte: "Wir können aus den Fehlern der anderen lernen."

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