Modellprojekt

Drogennotfall: Naloxon-Einsatz wird erprobt

Modellprojekt im Saarland richtet sich an langjährige Drogenkonsumenten. Nun startet die Schulung von Abhängigen und Angehörigen.

Veröffentlicht:

SAARBRÜCKEN. Im Rahmen einer verstärkten Drogennotfallprophylaxe hat im Saarland die Schulung zum Naloxon-Einsatz durch medizinische Laien begonnen. In den nächsten zwei Jahren sollen jeweils bis zu 50 Abhängige oder deren Angehörige in die Lage versetzt werden, durch die Applizierung des Opiatantagonisten über einen Nasalzerstäuber einer Atemlähmung zu begegnen. Damit soll die Zeit bis zum Eintreffen eines Notarztes überbrückt werden.

CDU und SPD hatten das Modellprojekt im vergangenen Frühjahr im Koalitionsvertrag vereinbart. Nächster Schritt war die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Drogenhilfezentrum Saarbrücken, Ärztekammer, KV, Apothekerkammer und dem Sozialministerium im Dezember. Nun sind die Modalitäten geklärt und die ersten Teilnehmer wurden geschult.

Wie das Ministerium auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mitteilte, übernimmt das Land die auf rund 18.000 Euro geschätzten Kosten für die Schulung und die Medikamente. Dabei fallen pro Naloxon-Kit mit jeweils zwei Ampullen etwa 45 Euro an.

Die Zahl der Drogentoten war im Saarland im vergangenen Jahr auf 29 und bundesweit auf 1333 gestiegen. Der Negativtrend hält nun schon über mehrere Jahre an. Kammerpräsident Dr. Josef Mischo und Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling führen die Entwicklung unter anderem auf die zunehmende Kombination mehrerer Drogen, die bessere und damit wirkungsverstärkende Qualität des Rauschgifts sowie den niedrigen Preis für illegale Drogen zurück.

Da es sich tendenziell um langjährige Konsumenten handelt, könnte die Naloxon-Vergabe nach Mischos Auffassung eine geeignete Maßnahme sein. Gleichzeitig warnt der Vorsitzende der BÄK-Arbeitsgruppe Sucht und Drogen aber davor, das Projekt zu überschätzen. Vielmehr müsse man auch die Substitutionsbehandlung und andere Hilfsangebote forcieren.

Erfahrungen mit der Ausgabe von Naloxon und einem vorgeschalteten Notfalltraining liegen vor allem aus Berlin vor. Außerdem haben mehrere Städte Projekte aufgesetzt. Schließlich will Bayern noch im ersten Halbjahr an vier Standorten ein Modellprojekt starten. Der Landtag in München hat dazu im Mai vergangenen Jahres grünes Licht gegeben. (kud)

Mehr zum Thema
Schlagworte
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Geplante Einführung des E-Rezept sorgt für Ärger.

© Mohssen Assanimoghaddam / dpa

„Vollkatastrophe“

Hausärzte regen sich über E-Rezept auf

Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KBV-Tochter kv.digital, glaubt, dass Ärzte auch nach dem 30. Juni noch das Ersatzverfahren nutzen können.

© Porträt: UWE RAU/kv.digital | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag“-Podcast

Gibt es einen harten Schnitt für die eAU im Juli, Dr. Fuhrmann?