KV Westfalen-Lippe

Duell zwischen Dryden und Nordmann

Notdienstreform umgesetzt, beim Honorar kräftig zugelegt und Regresse reduziert: KV-Vorstandsvorsitzender Dr. Wolfgang-Axel Dryden zieht eine positive Bilanz. Bei der Wahl muss er sich allerdings einem Herausforderer stellen.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:

KÖLN. Im Juni 2015 gewann die Fußballmannschaft der KV Westfalen-Lippe (KVWL) beim Fußballturnier der Kassenärztlichen Vereinigungen den Pokal. Auf dem Platz hatten sie die anderen KVen hinter sich gelassen und auf dem Weg an die Spitze auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in ihre Schranken verwiesen. Auf berufspolitischer Ebene sehen sich die selbstbewussten Westfalen nun in einer vergleichbaren Situation.

Als der Vorstand mit dem Vorsitzenden Dr. Wolfgang-Axel Dryden, dem Vize Dr. Gerhard Nordmann und Vorstand Dr. Thomas Kriedel Anfang 2011 die Arbeit aufnahm, hatte er zwei harte Brocken vor der Brust: Er musste die bis zuletzt heftig umkämpfte Notfalldienstreform umsetzen und die für die KVWL negativen Folgen der Honorarreform so weit wie möglich abmildern.

Notdienst läuft rund

Beide Aufgaben sind bewältigt. Der Notfalldienst läuft, Kritik ist kaum noch zu hören. Auch beim Honorar hat sich die Situation merklich verbessert. Während die Westfalen nach der Honorarreform das bundesweite Schlusslicht waren, gehören sie heute zum oberen Drittel.

Bei den Honorarverhandlungen konnte die KVWL in den vergangenen vier Jahren jedes Jahr ein Ergebnis von drei Prozent plus X erreichen, betont Nordmann als verantwortlicher Vorstand stolz.

Mit der angestrebten Honorarkonvergenz ist es zwar nichts geworden. KVWL-Chef Dr. Wolfgang-Axel Dryden ist es aber zumindest gelungen, mit seiner Online-Petition zum Thema bundesweit für Aufmerksamkeit zu sorgen und 170.000 Unterstützer zu gewinnen.

Kampf gegen Arzneimittelregresse

Eine Herzensangelegenheit ist Dryden der Kampf gegen Arzneimittelregresse. Die KVWL setzt seit Längerem auf Leitsubstanzen, die Zahl der Regresse hat sich deutlich reduziert. Die Streichung der Richtgrößenprüfungen im SGB V schreibt sich Dryden auf die Fahnen.

Den Grundstein habe er in einer "Münsterländer Kneipenrunde" mit einem Kassenvertreter und einem Politiker gelegt, berichtet er gern.

Zu den weiteren Schwerpunkten der Vorstandsarbeit in den vergangenen sechs Jahren gehörten der weitere Ausbau der Serviceangebote für die Mitglieder und die Sicherstellung. In vielen ländlich geprägten Regionen Westfalens ist die Unterversorgung schon mehr als eine drohende Wolke am Horizont.

Hart aber fair

Ein zentrales Element im Einsatz für die Sicherstellung der Versorgung sind in Westfalen-Lippe die Netze. Die KVWL unterstützt und begleitet Netze bei der Zertifizierung. Bislang sind in Westfalen-Lippe 16 als förderungswürdig anerkannt worden.

Vertreter der KV gehen an die Universitäten, um den medizinischen Nachwuchs so früh wie möglich für die Niederlassung zu begeistern, die KV bietet PJlern für die Allgemeinmedizin ein Stipendium und fördert Famulaturen in Praxen.

Der Einsatz für die Sicherstellung kommt auch bei den Krankenkassen gut an. Die KVWL leiste hier eine sehr professionelle Arbeit, sagt ein Kassenvertreter. "Sie haben für konkrete Versorgungsprobleme immer einer Lösung parat und arbeiten partnerschaftlich mit uns zusammen."

Das Verhältnis zwischen KVWL und Kassen ist natürlich nicht immer konfliktfrei, aber von gegenseitigem Respekt geprägt. "Die Vertreter der KVWL verhandeln hart, aber fair, sie wissen, was sie wollen", betont der Kassenexperte.

Äußerst knappes Duell

Dryden und Nordmann haben angekündigt, dass sie weitermachen möchten. Keiner zweifelt daran, dass ihnen die Wiederwahl gelingt. Dennoch bleibt es spannend. Denn Nordmann will nicht auf dem Platz des zweiten Vorsitzenden bleiben, sondern für den Vorsitz kandidieren.

Bereits bei der Wahl vor sechs Jahren hatte es ein äußerst knappes Duell zwischen beiden um die Führungsspitze gegeben.

Beide Vorstände gehörten in der jüngeren Vergangenheit zu denjenigen, die sich offensiv für eine Aufklärung der Skandale an der KBV-Spitze eingesetzt haben. Einen möglichen Wechsel nach Berlin in den KBV-Vorstand schließen aber sowohl Dryden als auch Nordmann aus.

Vorstand Kriedel lässt offen, ob er erneut ins Rennen gehen will. Sollte das der Fall sein, wird er mit Thomas Müller auf einen Gegenkandidaten treffen. "Ich fühle mich fit für den Job", sagt der KVWL-Geschäftsführer, der auf rund 30 Jahre Tätigkeit bei der KV zurückblickt.

Er kann auf breiten Rückhalt in der VV setzen. Müller, der im November 52 wird, würde den Vorstand merklich verjüngen: Die aktuellen Vorstandsmitglieder sind alle Jahrgang 1949.

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