15 Forschungsprojekte

EU bläst zum Kampf gegen Resistenzen

Die EU will den Fehlgebrauch von Antibiotika eindämmen, zugleich aber auch die Anstrengungen für die Entwicklung neuer Antibiotika verstärken. 15 Forschungsprojekte hat die EU jetzt aufgelegt.

Von Thomas A. Friedrich Veröffentlicht:
Eine MTA untersucht Bakterienkulturen. Dabei geht es auch darum, Klebsiella pneumoniae-Keime zu identifizieren, die gegen viele Antibiotika resistent sind.

Eine MTA untersucht Bakterienkulturen. Dabei geht es auch darum, Klebsiella pneumoniae-Keime zu identifizieren, die gegen viele Antibiotika resistent sind.

© dpa

BRÜSSEL. Die EU will den Kampf gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen verstärken. Mit 15 neuen Forschungsprojekten im Gesamtwert von 91 Millionen Euro soll die Entwicklung von neuen Antibiotika, alternativen Therapieformen wie Phagen oder neuen Impfstoffen, vorangetrieben werden.

Dies kündigten EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg und EU-Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn auf einer Pressekonferenz am Freitag in Brüssel an.

Ärzte für angemessen Antibiotikaeinsatz sensibilisieren

Ein Schwerpunkt der im Rahmen des EU-Gesundheitsprogramms finanzierten Projekte befasst sich mit dem Antibiotikamissbrauch in der Human- und Veterinärmedizin und zielt darauf ab, Ärzte, Tierärzte, Landwirte und Patienten für einen angemessenen Antibiotikaeinsatz zu sensibilisieren.

Die Hauptzugangsquelle für Antibiotika bilden weiterhin Ärzte. In einer gleichzeitig vorgelegten Eurobarometer-Umfrage geben 87 Prozent der befragten EU-Bürger an, Antibiotika auf ärztliche Verschreibung hin erhalten zu haben.

Am häufigsten wurden Antiobitika verschrieben, mit insgesamt über 75 Prozent der Fälle, bei Erkältungs-, Grippe- und Bronchial- oder Lungenerkrankungen.

Die Einnahmehäufigkeit geht jedoch zurück: Mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) hatten innerhalb des letzten Jahres mindestens einmal Antibiotika eingenommen.

Ineffektiv bei Erkältungskrankheiten

Im Vergleich dazu waren es im Jahre 2009 noch 40 Prozent, also fünf Prozent mehr. Fast jeder Zweite (49 Prozent) glaubt fälschlicherweise, dass Antibiotikabehandlungen Viren abtöten.

Immerhin 52 Prozent der Befragten sind sich bewusst, dass Antibiotika ineffektiv bei Erkältungskrankheiten sind. Ärzte verschreiben zuviele Antibiotika in der Allgemeinmedizin.

Dennoch setzten weiterhin 88 Prozent der Befragten besonderes auf Ärzte als "vertrauenswürdigen Ratgeber" bei der Verschreibung von Antibiotika.

Antimikrobielle Mittel umfassen Antibiotika, bei denen es sich um wichtige Arzneimittel in der Human- und der Tiermedizin handelt, die aber auch als Desinfektionsmittel, Antiseptika oder sonstige Hygieneprodukte Verwendung finden.

Sie haben das Risiko von Infektionskrankheiten erheblich gesenkt und sind in der Medizin unverzichtbar vor allem bei Transplantationen und Chemotherapien.

Problem in Kliniken

Antibiotikaresistenzen stellen ein immer größeres Problem in Medizin und Krankenhäusern dar.

"Forschung und Innovation spielen eine entscheidende Rolle, wenn wir dem Kampf gegen die Antibiotikaresistenz eine Wendung geben wollen", sagt EU-Forschungskommissarin Geoghegan-Quinn.

Im Laufe der Jahre haben Bakterien eine zunehmende Resistenz gegenüber Antibiotika entwickelt. Diese Resistenz rührt oft von in Krankenhäusern erworbenen Infektionen wie zum Beispiel der Atemwege, Hirnhautentzündungen, Durchfallerkrankungen oder sexuell übertragbaren Infektionen her.

Besonders gefährlich ist zudem, dass resistente Bakterien über die Lebensmittelkette oder durch direkten Kontakt vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

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