COVID-Impfkampagne

EU forciert Produktion von Corona-Impfstoffen

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in Brüssel neue Initiativen für die Impfstoffproduktion vorgestellt. Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton wird Chef einer Task Force.

Von Detlef Drewes Veröffentlicht:
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht während einer Debatte über das einheitliche Vorgehen der EU bei Corona-Impfungen im Europäischen Parlament.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht während einer Debatte über das einheitliche Vorgehen der EU bei Corona-Impfungen im Europäischen Parlament.

© Johanna Geron/Pool Reuters/AP/dpa

Brüssel. Jetzt übernimmt Thierry Breton. Der 66-jährige Franzose weiß, wie man mit Chefs von Unternehmen sprechen muss. Bevor der Vertraute des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in Brüssel das zentrale Binnenmarkt-Ressort der EU-Kommission übernahm, war er der Mann an der Spitze von France Telecom. Nun heißen seine Partner Pfizer, BioNTech, AstraZeneca oder Johnson & Johnson.

„Wir haben eine Task Force gegründet, die die Probleme bei der Herstellung von Impfstoffen identifizieren und beseitigen soll“, kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Europäischen Parlament an. Erwartet wurde eine ausführliche Analyse der Fehler und Pannen, die bei der Bestellung und Beschaffung der Vakzine aufgetreten waren.

Bis Sommer 70 Prozent aller EU-Bürger geimpft?

Von der Leyen räumte zwar Schwächen ein, bemühte sich jedoch vor allem, den Blick nach vorne zu richten. Das Ziel heiße: Bis zum Sommer sollen 70 Prozent aller 350 Millionen impffähigen EU-Bürger vor SARS-CoV-2 und seinen Mutanten geschützt sein. Die Europäische Volkspartei (EVP) schlug vor, zehn Milliarden Euro bereitzustellen, um Schwachpunkte in der Produktion zu beseitigen. Der Vorstoß liegt jetzt auf dem Tisch, die EU-Staats- und Regierungschefs könnten bei ihrem nächsten virtuellen Gipfeltreffen Ende des Monats darüber entscheiden.

Von der Leyen, selbst Ärztin , weiß, wie viele Stolpersteine auf dem Weg dorthin zu überwinden sind. Um Impfstoffe herzustellen, seien bis zu 400 verschiedene Komponenten nötig, erklärte sie den Volksvertretern aus den 27 Mitgliedstaaten. „Mit nur 250 Gramm bestimmter synthetischer Moleküle können eine Million Impfstoffdosen hergestellt werden.“

In Marburg produziert BioNTech bisher auf Halde

Es seien die Lieferketten, bei denen es hakt. Das bestätigen inzwischen auch die Chefs der Pharma-Firmen selbst. Aber das ist nur eines von vielen Problemen. BioNTech hat beispielsweise gestern seine neue Fertigung in Marburg aufgenommen. Man produziert bereits – aber nur auf Halde. Zunächst müssen Proben einer ersten Charge von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) geprüft und zugelassen werden. Das dauert. „Wir waren spät dran bei der Zulassung“, räumte von der Leyen ein. Das Umsteuern brauche Zeit.

Hinzu kommen Vorwürfe mangelnder Transparenz. Zwar wurden inzwischen vier Verträge mit Herstellern veröffentlicht – erst gestern legte die Kommission die Vereinbarungen mit Sanofi-GSK (der französische Konzern ist allerdings aus dem Rennen um ein Vakzin ausgestiegen) offen. Wieder sind entscheidende Stellen geschwärzt. Künftig soll es eine gemeinsame Arbeitsgruppe von EU-Kommission und -Parlament geben, sodass für mehr Transparenz gesorgt werde.

Ausfuhr von US-Impfdosen nach Europa erlaubt?

Die meisten Schwierigkeiten bereiten die politischen Bedingungen. Noch im Februar dürfte der US-Konzern Johnson & Johnson die EU-Zulassung für sein Vakzin bekommen. Das Produkt wird in Belgien und den Niederlanden von Janssen Pharmaceutica produziert. Johnson & Johnson besteht aber darauf, dass die Abfüllung im US-Bundessstaat Michigan erfolgt. Dürfen die fertigen Ampullen dann wieder in die EU ausgeführt werden? Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte verfügt, dass Impfstoffe erst dann für andere frei sind, wenn die Vereinigten Staaten genug haben. Sein Nachfolger Joe Biden hat daran nichts geändert. Im schlimmsten Fall müsste die EU noch monatelang auf die Dosen warten.

Und dann sind da noch die Mutanten. In der kommenden Woche will die Kommission einen Bericht über das steigende Risiko durch Virusvarianten vorlegen. Die Regierungen der 27 EU-Mitgliedstaaten wissen, dass die Sequenzierung verstärkt werden und die Pharma-Industrie ihre Anstrengungen intensivieren müssen, um bisherige Vakzine aus- oder umzubauen. In der Branche heißt es, der Stopp des AstraZeneca-Vakzins durch Südafrika sei ein „Warnschuss“ gewesen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?