Kommentar – Notfallversorgung

Eine Chance, keine Gefahr

Von Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht: 19.04.2018, 12:25 Uhr

Die Weichen für die notfallmedizinische Versorgung in Deutschland werden neu gestellt. Seit Monaten wird nach einer Lösung gesucht. Die KBV hat dazu ihre Forderungen bekräftigt, wonach nicht an jeder Klinik Notfallambulanzen vorgehalten werden müssen – bisher sind bundesweit rund 1450 Kliniken am Netz.

Ziel der KBV ist die koordinierte ambulant-stationär abgestimmte Notfallversorgung. Und genau das ist der Weg, um der zum Teil willkürlichen Inanspruchnahme der Notdienstzentren bereits während der normalen Praxissprechzeiten klar entgegenzuwirken.

Die DKG sagt, das neue Konzept werde der Realität nicht gerecht. Das mag ja sein, dennoch kann dies kein Argument sein, weiterhin ineffiziente Strukturen zu unterstützen.

Das von der KBV in Auftrag gegebene Gutachten kommt zu dem Schluss, dass knapp 740 Notfallzentren ausreichen. Will heißen: Ein großer Teil der bisherigen Anlaufstellen könnte dicht machen, ohne Nachteile für die Bevölkerung. Druck kommt nun auch noch vom Gemeinsamen Bundesausschuss.

Kliniken sollten jetzt überlegen, wo und wie sie ihr qualifiziertes Personal einsetzen wollen, bevor das Schreckgespenst von Entlassungen an die Wand gemalt wird. "Fachkräfte dringend gesucht. . .", oder?

Lesen Sie dazu auch: GBA-Beschluss: 628 Kliniken soll Geld gestrichen werden

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Dr. Thomas Georg Schätzler

Neue notfallmedizinische Versorgungsplanung geht an Patienten und Ärzten vorbei!

Die Bundesrepublik Deutschland hat eine Fläche von 357.376 km². Bei geplanten 736 Notfallzentren sind das 1 Notfallzentrum auf 486,56 km².

Berücksichtigt man zusätzlich ein Stadt-Land-Gefälle bzw. Ballungszentren, soziale Brennpunkte und strukturschwache Regionen mit erhöhtem Versorgungs- und Betreuungsbedarf bei defizitären Familien-, Haus- und Facharzt-Strukturen, merkt man sofort, dass es hier nicht um verbesserte medizinische Patienten-Versorgung und bio-psycho-soziale Hilfen in echt bedrohlichen oder subjektiv vermeintlichen Notfällen geht, sondern um den Versuch, den Notfallbedarf zu disziplinieren, zu kanalisieren, zu ökonomisieren und künstlich zu verknappen, ohne an objektive medizisch begründete Aufgreifkriterien anzuknüpfen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. EUROPREVENT/Ljubljana/SLO)


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