Die Opposition ist sich einig: Röslers "Kopfpauschale" ist unsozial. Doch damit enden bereits die Gemeinsamkeiten. Immer mehr zeigt sich: SPD, Grüne und Linke haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Alternative zur Prämie, der Bürgerversicherung.

Von Sunna Gieseke

"Köpfe gegen Kopfpauschale" - hinter diesem Slogan formierte sich der gemeinsame Widerstand der Opposition gegen die Gesundheitsreform der schwarz-gelben Koalition. Im September positionierten sich prominente Köpfe wie SPD-Chef Sigmar Gabriel, Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sowie Linken-Chefin Gesine Lötzsch.

Schulter an Schulter wetterten sie gegen die von der Koalition beschlossene Entdeckelung der Zusatzbeiträge. Das sei der Einstieg in die "unsoziale Kopfpauschale". Die Reform von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) werde daher nach der nächsten Bundestagswahl rückgängig gemacht. Stattdessen soll eine Bürgerversicherung die Probleme des GKV-Systems lösen.

Prominente Köpfe - vereint im Kampf gegen die "Kopfpauschale" der schwarz-gelben Koalition: (v.l.n.r.): SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel, DGB-Chef Michael Sommer, Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und Linken-Chefin Gesine Lötzsch.

Prominente Köpfe - vereint im Kampf gegen die "Kopfpauschale" der schwarz-gelben Koalition: (v.l.n.r.): SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel, DGB-Chef Michael Sommer, Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und Linken-Chefin Gesine Lötzsch.

© dpa

Doch die gemeinsame Front bröckelt - was freilich nicht an der Ablehnung der Kopfpauschale, sondern an unterschiedlichen Vorstellungen von einer Bürgerversicherung liegt. Die SPD etwa hat ganz andere Vorstellungen von einer Bürgerversicherung als der grüne Regierungs-Wunschpartner.

Anders als die Grünen will die SPD künftig auch die Steuerzahler für eine Bürgerversicherung im Gesundheitswesen heranziehen. "Was wir vorschlagen, ist ein Systemwechsel", sagt SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Ungeklärt ist allerdings die Frage nach der Steuerquelle für die Bürgerversicherung.

Das ist eine überraschende Wende in der Gesundheitspolitik der SPD. Mit dem Ziel, die immer teuer werdende medizinische Versorgung aus Steuermitteln zusätzlich zu den Beiträgen auf das Einkommen zu finanzieren, schwinden die Gemeinsamkeiten in der grün-rot-dunkelroten Bürgerversicherungs-Front.

Die Grünen wollen nach wie vor die Finanzbasis erweitern, indem sowohl Kapitaleinkünfte als auch Mieten in die Beiträge für die Bürgerversicherung einbezogen werden. Damit blieben jedoch nach Ansicht von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die bereits PKV-Versicherten außen vor: "Jeder Altvertrag wäre bares Geld."

Das SPD-Konzept sieht vor, dass PKV-Versicherte freiwillig in die Bürgerversicherung wechseln können. Für PKV-Neukunden soll es jedoch nicht mehr möglich sein, nach Risikoprüfung versichert zu werden. Die PKV soll dennoch neben Zusatzversicherungen auch weiterhin Vollversicherungen anbieten können. Allerdings ausschließlich nach dem Modell der Bürgerversicherung.

Die Grünen haben ihr Konzept einer Bürgerversicherung auf ihrem Parteitag Ende November in Freiburg verschärft. Demnach sollen Gutverdiener stärker zur Kasse gebeten werden. Die Beitragsbemessungsgrenze soll von heute 3750 auf 5500 Euro angehoben werden. Diese Mehrbelastung von Gutverdienern soll zu einer deutlichen Reduzierung des GKV-Beitragssatzes führen.

Das entspricht nicht den Plänen der SPD. Die Sozialdemokraten wollen die Bemessungsgrenze weniger stark anheben. Die konkrete Höhe ist offen. Anfang April will die SPD ihr durchgerechnetes Modell vorlegen.

Harsche Kritik am SPD-Konzept übt die Linkspartei. "Die SPD rudert zurück", moniert Linken-Gesundheitsexpertin Martina Bunge. Die SPD folge der falschen Logik von Schwarz-Gelb und verabschiede sich von der Bürgerversicherung. Verlässliche Gesundheitspolitik sehe anders aus.

Zur Jahresendausgabe 2010 der "Ärzte Zeitung" mit allen Artikeln

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt

Lesetipps
Schulterschmerzen? Im höheren Alter ist die Polymyalgia rheumatica nach der Rheumatoiden Arthritis die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© peopleimages.com / stock.adobe.com

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche