Arzneimittelpolitik

Erhöhte Zwangsrabatte drücken Ausgabenwachstum auf Null

Die Preisregulierung im Arzneimittelmarkt wirkt. Ohne den im Sommer auf 16 Prozent erhöhten Zwangsrabatt wären die Arzneiausgaben im November kräftig gestiegen.

Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN (fst). Die Arzneiausgaben zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen sind im November 2010 im dritten Monat in Folge auf Talfahrt geblieben.

Im November haben Vertragsärzte Arzneimittel und Impfstoffe im Umfang von knapp 2,46 Milliarden Euro in der GKV verordnet. Das entspricht einem Minus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilt das Beratungsunternehmen IMS Health mit.

Berücksichtigt man die Impfausgaben in Höhe von etwa 76 Millionen Euro nicht, dann ergibt sich keine Veränderung zum November 2009. Bei den Zahlen sind die von Herstellern und Apotheken zu leistenden Zwangsrabatte berücksichtigt. Dagegen bleiben die - öffentlich nicht bekannten - Einsparungen aus Rabattverträgen außen vor.

Wie schon in den Vormonaten setzt sich Schrumpfkurs beim Impfstoffmarkt mit minus 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat unvermindert fort.

Vor allem die Ausgaben für Einfach-Impfstoffe, namentlich HPV-Vakzine, sind stark rückläufig, da Nachimpfungen nur noch für die Alterskohorten erfolgen, für die sie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlen sind.

Im Minusbereich bewegt sich im November auch die Zahl der abgegebenen Packungen. Sie sinkt gemessen am Vorjahresmonat um 1,1 Prozent auf 58,6 Millionen Packungen.

Überproportional stark zurückgegangen ist die Menge der über die GKV abgerechneten rezeptfreien Arzneien (OTC), und zwar um zwölf Prozent. Stark rückläufig war vor allem die Menge bei den wirtschaftlich bedeutsamen OTC-Kategorien Schmerz- und Erkältungsmittel.

Maßgeblich zur Ausgabenentwicklung in der GKV beigetragen hat der seit August 2010 von sechs auf 16 Prozent erhöhte Zwangsrabatt für Hersteller.

Von Januar bis November 2010 beläuft sich die von Herstellern zu Gunsten der Kassen abgeführte Summe auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum 2009 waren es 846 Millionen Euro.

Die bisher für 2010 vorliegenden Zahlen - also ohne Dezember - weisen Gesamtausgaben der Kassen für Arzneimittel und Impfstoffe von 26,8 Milliarden Euro aus. Das sind 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mehr zum Thema

Störungen der Beweglichkeit

Feldenkrais-Methode: Bisher schlechte Datenlage

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Der Bundestag diskutiert darüber, ob eine Corona-Impfpflicht eingeführt werden soll. Die Öffentlichkeit spürt sehr wohl, dass die Politik im Nebel stochert.

© Jens Krick / picture alliance / Flashpic

Kommentar zur Corona-Impfpflicht

Die Debatte ist der Anreiz, nicht die Pflicht

Tendenz weiter nach oben: Mit bis zu 400.000 Infektionen durch Omikron pro Tag rechnen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler (l.).

© Wolfgang Kumm / dpa

Neue Testverordnung

PCR-Tests: Details zur Priorisierung kommen nächste Woche

Blick in den Wartebereich einer Notfallambulanz: Künftig sollen Patienten bereits vorab via Ersteinschätzung in den richtigen Versorgungsbereich vermittelt werden.

© Bernd Settnik / ZB / picture alliance

Neuer Reformvorschlag

Digitaler Tresen soll Notfallreform retten