Präventionsinstrument Zuckersteuer

„Es geht hier nicht um Käsekuchen, Schokolade oder Vanillepudding“

In Deutschland ist die Sondersteuer auf zuckersüße Erfrischungsgetränke umstritten, auch wenn die Abgabe mittlerweile in mehr als 100 Staaten weltweit erhoben wird. Die Finanzkommission Gesundheit spricht sich klar dafür aus.

Veröffentlicht:
Viele kleine bunte Limonadenflaschen stehen nebeneinander.

Süßes Flüssiges mit einer Sonderabgabe versehen? Die Finanzkommission Gesundheit kann dem etwas abgewinnen.

© miss irine / stock.adobe.com

Berlin. Erwartet wurde es, jetzt steht es Schwarz auf Weiß drin in dem Anfang der Woche vorgelegten Bericht der Finanzkommission Gesundheit. Zu den darin aufgeführten 66 Maßnahmen zählen auch höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol sowie die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Höhere Abgaben auf diese Produkte könnten einen Beitrag zur Krankheitsvermeidung leisten, ist die Expertenkommission überzeugt.

Zum Votum für die Einführung der Besteuerung zuckerhaltiger Getränke heißt es: „Es ist zu erwarten, dass sich die Empfehlung positiv auf die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, auswirkt, vor allem bei Personen mit einem hohen Konsum zuckergesüßter Getränke. Modellrechnungen prognostizieren allein mehrere Tausend weniger Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes pro Jahr.“

Je nach Zuckergehalt gestaffelt

Der Vorsitzende der Kommission, der Bielefelder Gesundheitsökonom Professor Wolfgang Greiner, stellte bei der Vorstellung des Expertenberichts klar, was es mit dieser Zuckersteuer auf sich habe – und was nicht: „Es geht hier nicht um Käsekuchen, Schokolade oder Vanillepudding, sondern wirklich nur um zuckergesüßte Getränke.“

Lesen sie auch

Die Abgabe soll je nach Zuckergehalt des Getränks gestaffelt sein. Ziel solle sein, „Anreize für Produktrezepte mit geringerem Zuckergehalt zu setzen“, heißt es im Bericht der Finanzkommission.

Und weiter: „Zuckergesüßte Getränke sind ernährungsphysiologisch komplett entbehrlich und fördern wegen der geringen Sättigungswirkung flüssigen Zuckers eine erhöhte Energieaufnahme (…) und (…). Der Konsum führt somit zu einer Zunahme des Körpergewichts und ist mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Karies und Mortalität assoziiert (…). Diese Krankheiten führten zu hohen Kosten im Gesundheitssystem.

Die erwarteten jährlichen Steuereinnahmen aus der Abgabe auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke schätzen die Experten in den ersten Jahren nach Einführung auf 450 Millionen Euro. Mittel- und langfristig seien Kosteneinsparungen im GKV-System zwischen 20 bis 170 Millionen Euro pro Jahr zu erwarten.

DANK: „Keine Bevormundung“

In den Reihen der Mitgliedsverbände der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) – darunter der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) – liest und hört man die Worte gerne. DANK-Geschäftsführerin Barbara Bitzer sagt: Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe auf Getränke nehme Hersteller in die Pflicht, senke langfristig Kosten in Millionenhöhe im Gesundheitssystem und schütze die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Lesen sie auch

Und weiter: „Die Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit zeigen einmal mehr, dass eine Zuckersteuer keine Bevormundung oder Entmündigung der Verbraucher und Verbraucherinnen ist, sondern Teil einer verantwortungsvollen Gesundheits- und Präventionspolitik.“

Der Vorschlag der Experten dürfe daher „nicht in der Schublade“ verschwinden, sagt Bitzer, die auch Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist. „Was es jetzt braucht, ist ein klares Bekenntnis der Politik für mutige Präventionspolitik – auch gegen den Willen der Industrie.“ (hom)

Lesen sie auch
Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studie DECLARE-TIMI 58: primärer Endpunkt „kardiovaskulärer Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz“ in der Gesamtkohorte

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [4]

Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus Typ 2 Präventiv statt reaktiv: Bei Typ-2-Diabetes mit Risikokonstellation Folgeerkrankungen verhindern

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Porträt: Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Porträt: Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Der hypogonadale Patient in der Hausarztpraxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Patienten mit DMD profitierten von einer über 24-wöchigen Vamorolon-Therapie im Vergleich zu einer Therapie mit Prednison in Bezug auf das Längenwachstum

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [14]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Erstes dissoziatives Kortikosteroid zugelassen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?