Kommentar

Es geht um den weiblichen Blick

Von Christiane Badenberg Veröffentlicht: 08.03.2012, 05:00 Uhr

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Gesundheitspolitik. Schreiben Sie ihr: christiane.badenberg@ springer.com

"Die Medizin wird weiblich(er)", heißt es seit geraumer Zeit. "Gott sei Dank" kann man da nur sagen, und hoffentlich nicht nur die Medizin. Denn je mehr Frauen in qualifizierte Berufe und auch in Führungspositionen vordringen, desto besser für alle.

Nicht weil sie bessere Menschen sind, sondern weil sie einen anderen - eben einen weiblichen - Blick mitbringen. Einen Blick, den immerhin die Hälfte der Bevölkerung hat.

Wie wichtig dieser Blick ist, zeigt zum Beispiel die kürzlich in der "Ärzte Zeitung" vorgestellte KarMed-Studie. Sie untersucht den Berufsverlauf von Ärztinnen und Ärzten nach der Approbation.

Erste Zwischenergebnisse der 2008 gestarteten Studie können zu der Interpretation führen, dass Männer vom Berufsstart an eine Karriere viel fester im Visier haben als Frauen.

So zeigt die Studie, dass junge Männer von Beginn an höhere Positionen wie Oberarzt oder Chefarzt anstreben. Viele Frauen nennen dagegen als berufliche Endposition den Abschluss der Facharztweiterbildung.

Daraus zu schließen, Frauen seien weniger ehrgeizig, ist gewagt. Wahrscheinlicher ist es, dass Frauen, bevor sie an die große Karriere denken, sich erst einmal in Studium, Klinik und Praxis bewähren wollen - und wollen sich erst später auf die Übernahme des Chefsessels konzentrieren.

Männer dagegen finden oft, dass ihnen dieser Sessel selbstverständlich zusteht. Es wäre vermutlich sinnvoll, wenn die Studienautoren die Befragung über das fünfte Weiterbildungsjahr hinaus fortsetzen würden. Dann könnte sich ein ganz anderes Bild ergeben.

Fest steht, durch den immer größeren Frauenanteil in der Medizin werden sich Strukturen ändern müssen. Sonst ist zu befürchten, dass der medizinischen Versorgung eine ganze Reihe hochqualifizierter Frauen verloren geht.

Doch um die Arbeitsbedingungen in ihrem Sinne zu ändern, werden sich mehr Ärztinnen als bisher in den Selbstverwaltungsorganen und Berufsverbänden engagieren müssen. Denn hier werden die zukunftsträchtigen Entscheidungen vorbereitet und getroffen.

Wenn Frauen dort nicht vertreten sind, stehen ihre Anliegen naturgemäß auch nicht oben auf der Prioritätenliste. Und zu ihren Anliegen gehört nicht nur, wie oft kolportiert wird, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dazu zählt auch ein anderer Blick auf die medizinische Versorgung und ein unterschiedlicher Arbeitsstil. Endlosdiskussionen mit langen Monologen zum Beispiel sind nicht der Frauen Sache.

Sollte sich durch mehr Ärztinnen in diesen Gremien die ärztliche Arbeits- und berufspolitische Welt ändern, werden es ihnen auch die Männer danken.

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