Wo ist der Facharzt?

Europas Hausärzte wollen aufgewertet werden

Hausärztemangel gibt es nicht nur in Deutschland. Eine Vereinigung europäischer Allgemeinmediziner fordert deshalb den europäischen Facharzt für Allgemeinmedizin.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Mit Tasche: Wo ist der Hausarzt?

Mit Tasche: Wo ist der Hausarzt?

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BERLIN. Für die Europäische Union gibt es Fachärzte und Ärzte mit einer "besonderen Ausbildung in der Allgemeinmedizin". Ein unhaltbarer Zustand, finden die Hausärzte quer durch Europa.

Um dem Hausärztemangel europaweit entgegen zu steuern, bedürfe es Änderungen in den EU-Richtlinien.

"Der Facharzt für Allgemeinmedizin muss gleichrangig neben den bestehenden übrigen Facharztbezeichnungen stehen", forderte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, bei einem Treffen mit seinen Kollegen von der Europäischen Vereinigung der Allgemeinmediziner (UEMO) am Wochenende in Berlin.

Obwohl es in den meisten europäischen Ländern ein Curriculum für Allgemeinmedizin und einen Facharzttitel für Allgemeinmediziner gibt, bildet sich diese Entwicklung in der Richtlinie zur gegenseitigen Anerkennung von Ausbildungsgängen nicht ab.

Konkret fordern die europäischen Hausärzte, den Artikel 28 der Richtlinie 2005/36/EG ersatzlos zu streichen und den Facharzt für Allgemeinmedizin in den Artikel 25 aufzunehmen.

Dabei geht es nicht nur um die Aufwertung des Berufes. Hausärztemangel ist in ganz Europa spürbar. Die UEMO-Repräsentanten wiesen bei ihrer Tagung auf die gestiegenen Anforderungen an die medizinische Versorgung in den älter werdenden Gesellschaften Europas hin.

Die UEMO verfolgt mit ihrem Vorstoß nicht nur eine Politik, die Allgemeinmedizin attraktiver aussehen zu lassen. Ihr geht es um Versorgung.

"Länder mit einer starken Primärmedizin weisen bessere medizinische Versorgungsergebnisse auf und geben weniger dafür aus", sagte der UEMO-Vorsitzende, der Ungar Dr. Ferenc Hajnal.

Das System der Gesundheitslotsen sei finanziell effizienter als Systeme wie das deutsche und das US-amerikanische mit ihren direkten Zugängen zu Fachärzten.

Migration bringt die hausärztliche Versorgung der Menschen im Osten Europas in Gefahr. In den vergangenen fünf Jahren seien zum Beispiel 600 Ärzte aus Rumänien in die Niederlande abgewandert.

"Die Menschen in Rumänien verlieren die allgemeinmedizinische Versorgung", berichtete die stellvertretende UEMO-Vorsitzende Dr. Nena Kopcavar Gucek aus Slowenien. 95 Prozent aller Patienten würden deshalb in Krankenhäusern versorgt.

Die UEMO gibt es seit 1967. 23 Länder sind Mitglied, darunter die Schweiz, Island und die Türkei, nicht aber Frankreich und Polen.

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