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Feierlaune bei Hausärzten

HzV-Verträge als Selektivverträge neben dem KV-System scheinen sich nun auch dort durchzusetzen, wo Kassen bislang defensiv waren. Die Spitze des Hausärzteverbandes verbreitete bei der practica in Bad Orb vor allem eines: gute Laune.

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Daumen hoch für die Hausarztzentrierte Versorgung: Laut Hausärzteverband zählen die an der HzV teilnehmenden Ärzte zu den Gewinnern.

Daumen hoch für die Hausarztzentrierte Versorgung: Laut Hausärzteverband zählen die an der HzV teilnehmenden Ärzte zu den Gewinnern.

© drubig-photo / fotolia.com

Ein Leitartikel von Raimund Schmid

BAD ORB. Kaum eine Veranstaltung für Hausärzte im Jahr ist besser geeignet, der aktuellen Befindlichkeit der allgemeinärztlichen Basis in Deutschland so nahe zu kommen wie dies beim berufspolitischen Oktoberfest des Hausärzteverbandes der practica in Bad Orb der Fall ist.

Da geht es mitunter derb und deftig zu, vor allem dann, wenn es um Benachteiligungen der Hausärzte und um unzureichende Vergütungen für ihre Leistungen geht.

Dass dies bei der practica 2015 anders war, führt Hausärztechef Ulrich Weigeldt auch darauf zurück, dass die Sorgen der Allgemeinärzte mittlerweile "in der Politik angekommen" sind und von dort jetzt eine "konstante Unterstützung" kommt.

Zum Beispiel bei der Umsetzung der hausarztzentrierten Versorgung (HzV). Da konnte Hauptgeschäftsführer Eberhard Mehl mit Fakten punkten, die beeindrucken:

So haben sich inzwischen bundesweit vier Millionen Patienten und 18.400 Ärzte in Hausarztverträge eingeschrieben. Das Honorarvolumen beläuft sich auf rund eine Milliarde Euro.

Monat für Monat kommen neue Verträge hinzu. Mehl interpretiert diesen Trend so: "Bei den Großstädten sind wir durch, jetzt müssen wir noch die Dörfer sanieren."

Deutlich höheres Vergütungsniveau

Das ist allerdings eine kräftige Übertreibung, denn ausgerechnet in der Metropole Berlin mit 3,5 Millionen Einwohnern kommt die HzV ganz und gar nicht in die Gänge.

Doch der Trend gibt Mehl Recht. Gerade dort, wo die Kassen der HzV reserviert gegenüberstanden, findet nun ein Umschwung statt.

Nordrhein-Westfalen beispielsweise, wo die Einschreibewelle nach dem erfolgten Schiedsspruch laut Mehl "zügig" anläuft.

Oder Bayern, einst Vorreiter der HzV, in dem aber als Folge der Hoppenthaller-Ära die Atmosphäre mit der der AOK lange Zeit vergiftet war, scheint nun die Zeit der Tricksereien und Moratorien zu Ende zu gehen.

Oder Hessen, einem Land, in dem die HzV nach Darstellung des neuen Landesverbandsvorsitzenden Armin Beck noch nie einen leichten Stand hatte: Nach und nach springen die Kassen und nun sogar die bisher HzV-skeptischen Ersatzkassen auf den Zug. So wie die Ersatzkassen im Saarland, deren HzV-Verträge bereits erfolgreich geschiedst worden sind.

Sogar bei einigen bisher defensiv agierenden Ortskrankenkassen gibt es Bewegung, etwa bei der AOK-Rheinland (Vertrag bereits abgeschlossen), der AOK plus (Einschreibungsstart wohl im ersten Quartal 2016) oder der AOK Schleswig-Holstein (Abschluss in Aussicht).

Und Ortskrankenkassen wie in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, die bisher lieber Add-on-Verträge mit den jeweiligen KVen abgeschlossen haben, beginne nun ein Umdenkungsprozess. Das Fazit von Eberhard Mehl: "Der lange Kampf für die HzV und damit für die Hausärzte hat sich gelohnt."

Konvergenz, aber keine Einheitsverträge

Zwar wird immer wieder hinterfragt, inwieweit Patienten von hausarztzentrierten Versorgung profitieren. Denn sie geben ein Stück Freiheit, den beliebigen Zugang zum Facharzt, auf und müssen sich an die Spielregeln halten, dass der Hausarzt den Weg steuert.

Aber eines steht in jedem Fall fest: Die an der HzV teilnehmenden Ärzte zählen zu den Gewinnern. Mit Fallwerten von mindestens 70 Euro, im Süden sogar über 80 Euro "liegen wir deutlich über dem KV-Niveau", so Eberhard Mehl.

So zum Beispiel in Hessen, wo der Fallwert um über 30 Euro höher ausfällt als bei der KV, wie Dr. Uwe Speier aus Lollar bei einer Informationsveranstaltung der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft berichtete.

Doch nicht nur die Unterschiede zwischen dem KV-System und der HzV, sondern auch die Vergütungsunterschiede innerhalb der HzV waren beim Herbsttreffen des Hausärzteverbandes ein Thema.

Die regionalen Unterschiede der HzV-Vergütungen stießen denn auch auf Unmut: "Gleiche Vergütung für gleiche Leistungen" lautete das Credo einiger Kritiker. "Davon sind wir noch weit entfernt!"

Doch bevor die Stimmung zu kippen drohte, versuchte Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt die Wogen zu glätten: Die stärkere Vereinheitlichung von Verträgen hinsichtlich Struktur und Vergütung innerhalb der HzV und vor allem auch im KV-System sei ein großes Ziel in der Zukunft. Doch zugleich stellte Weigeldt auch klar: "Einheitsverträge wollen wir nicht."

Am Ende dominierte denn doch die gute Laune der Kongress-Besucher und der Funktionäre. Ein deutlicher Kontrast zur Dauer-Depression im KV-System.

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