Ärzte warnen

Frankreich: Finanzielle Erholung in der Corona-Pandemie wird teuer

Frankreichs chronisch defizitäre Krankenversicherung kommt finanziell im Vorjahr gut durch die Pandemie. Doch das dicke Ende deutet sich bereits an.

Von Denis Durand de BousingenDenis Durand de Bousingen Veröffentlicht:
Straßburg im März 2020: Eine COVID-Patientin wird ins Krankenhaus eingeliefert. Weil Behandlungskapazitäten nicht mehr ausreichten, wurden Patienten aus Frankreich bald auch in Deutschland behandelt.

Straßburg im März 2020: Eine COVID-Patientin wird ins Krankenhaus eingeliefert. Weil Behandlungskapazitäten nicht mehr ausreichten, wurden Patienten aus Frankreich bald auch in Deutschland behandelt.

© Elyxandro Cegarra / NurPhoto / picture alliance

Paris. Trotz vieler Reform-und Sparpläne ist es Frankreich seit Jahrzehnten nie gelungen, steigende Gesundheitsausgaben wirkungsvoll zu begrenzen. Was Regierungen und Gesundheitspolitiker nicht geschafft haben, hat im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie bewirkt: Zwar hat Frankreich zur Pandemiebekämpfung Mittel nach dem Motto „Koste es, was es wolle“ in die Hand genommen. Doch die Gesundheitsausgaben sind im Vorjahr nur um 0,4 Prozent gestiegen, das ist der niedrigste Wert seit 1950.

Den Preis dafür haben aber vor allem niedergelassene Ärzte bezahlt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1946 hat die französische gesetzliche Krankenversicherung bis auf wenige Jahre fast immer rote Zahlen geschrieben. Zwar nehmen die Ausgaben seit rund 20 Jahren nicht mehr so rasant zu wie noch Ende der 90er Jahre. Doch auch Anfang der 2000er Jahre und in der vergangenen Dekade betrug der Anstieg mindestens zwei bis drei Prozent pro Jahr.

Erst der Lockdown bremste die Ausgabenentwicklung

Die Wende brachte erst 2020: Im Pandemie-Jahr gab Frankreich 209,2 Milliarden Euro für Gesundheit aus (plus 0,4 Prozent im Vergleich zu 2019). Und das trotz der vielen COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen.

Der Hauptgrund für die Entwicklung liegt im Lockdown: Allein vom 16. März bis 11. Mai 2020 blieben die meisten Facharztpraxen, Zahnarztpraxen sowie Privatkliniken geschlossen. Stattgefunden haben in diesem Zeitraum fast ausschließlich Behandlungen von COVID-Patienten sowie nicht verschiebbare Operationen.

Während der Ausgangssperre im Frühjahr 2020 sind die Einkommen vieler Arztgruppen dramatisch eingebrochen, zeigen neue Abrechnungsstatistiken. Besonders betroffen waren niedergelassene Augenärzte und HNO-Ärzte, deren Einkommen um fast elf Prozent eingebrochen sind, gefolgt von Mund-Kiefer-Chirurgen, Dermatologen und Rheumatologen mit minus neun Prozent sowie bis zu minus sieben Prozent bei Internisten.

Einkommensverluste auch bei Praktischen Ärzten

Praktische Ärzte mussten einen Einkommensverlust von 3,5 Prozent hinnehmen. Zu den Gewinnern der Pandemie gehören dagegen Laborärzte, deren Umsatz um mehr als sechs Prozent zugenommen hat.

Ärzteverbände warnen, dass die „guten“ Zahlen für die Krankenversicherung eine Schattenseite haben: Sie seien fast ausschließlich auf die Verschiebung von Untersuchungen und Operationen zurückzuführen. Eine Folge könnten Chronifizierungen oder schwerere Erkrankungsverläufe sein.

Tatsächlich registrieren Ärzte im laufenden Jahr einen wachsenden Andrang von Patienten. Für Frankreichs Krankenversicherung könnte es finanziell nach der Erholung im Vorjahr ein böses Erwachen geben.

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