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Fruchtbarer Schlagabtausch

Primärarztsystem: freiwillig oder verpflichtend? Hausärzte streiten in der Sache, sind sich aber ein einig, die Versorgung zu verbessern.

Von Von Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht: 28.10.2019, 10:45 Uhr

Neue Besen kehren gut. So oder so ähnlich könnte man den Auftritt des neuen DEGAM -Präsidenten bei der diesjährigen practica in Bad Ob bezeichnen. Sein vehementes Eintreten für die Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems weckt insbesondere bei jungen Kollegen Hoffnungen. Den Granden des Hausärzteverbandes lässt dies den Atem stocken.

Sich nur auf ein gut funktionierendes freiwilliges System wie etwa in Baden-Württemberg, Bayern oder Hessen zu beziehen, greift vielleicht zu kurz. Also: Was ist verkehrt daran, von der Politik ein klares Bekenntnis zum Primärarztsystem zu verlangen? Ob dann das Angebot freiwillig, flankiert durch ein Anreizsystem oder verpflichtend eingeführt werden soll, steht heute überhaupt (noch) nicht zur Diskussion.

Die Analyse von DEGAM und Hausärzteverband über die strukturellen Mängel im System ist nahezu deckungsgleich. Einigkeit herrscht auch in dem gemeinsamen Bestreben, die primärärztliche Versorgung voranzutreiben.

Übersetzt bedeutet das: der flächendeckende Ausbau der hausarztzentrierten Versorgung. Ob die allerdings auf Dauer ein Alleinstellungsmerkmal des Hausärzteverbandes bleiben kann, ist mehr als fraglich. Die KBV hat längst ihre Fühler auch in diese Richtung ausgestreckt.

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Dr. Schätzler

Aufenthalte in klinischen und/oder universitären bzw. fachärztlichen Einrichtungen sind in der Krankheitsbiografie unserer Patienten/-innen punktuelle Ausnahmeerscheinungen. Im ambulanten Bereich macht allein die hausärztliche Betreuung über 50 Prozent aus. Weit über 80 Prozent aller Beratungsanlässe werden primär im haus- und familienmedizinischen Bereich abgeklärt bzw. sind einer problemadäquaten Lösung zugänglich. Die primär-ärztliche Allgemeinmedizin ist somit integraler Bestandteil der gesamten Humanmedizin.
So essenziell wie die Luft zum Atmen gehören die hausärztliche Allgemeinmedizin ebenso wie Chirurgie und Innere Medizin zur Kernkompetenz ärztlicher Profession. Sie neben allen anderen Spezialdisziplinen auszugrenzen, Ausbildungskompetenzen zu verleugnen oder Inhalte auszusparen wäre in der Tat eine desaströse Fehlentscheidung.
Professor Dr. med. F. M. Gerlach hatte als Ex-DEGAM-Präsident schon 2016 zum "Schicksalsjahr für die Allgemeinmedizin" deklariert.


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