Direkt zum Inhaltsbereich

„Belastung für die Beitragszahler“

GKV-Verwaltungsrat protestiert gegen Lauterbachs Kassenfinanzpläne

Das Spitzengremium der GKV fordert die Übernahme versicherungsfremder Leistungen durch den Bund, um die erwartete Finanzlücke der Krankenkassen von 17 Milliarden Euro im kommenden Jahr zu decken.

Veröffentlicht:
Kassenvertreter warnen, das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung werde bei den Beitragszahlerinnen und -zahlern abgeladen.

Kassenvertreter warnen, das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung werde bei den Beitragszahlerinnen und -zahlern abgeladen.

© Christian Ohde/picture alliance

Berlin. Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherung üben Kritik am Entwurf des GKV-Finanzstabilisierungsgesetz und erinnern die Ampel- Koalition an ihre im Koalitionsvertrag festgehaltenen Versprechen.

Bund, Länder und Kommunen müssten endlich ihren Verpflichtungen nachkommen und dürften originär staatliche Ausgaben nicht länger bei den Kassen, mithin bei den Beitragszahlern, abladen.

So könne die gesetzliche Krankenversicherung stabilisiert werden, ohne die Beitragszahler und Ärzte zu belasten sowie die Patientenversorgung zu beeinträchtigen. „Der vorgesehene Eingriff in die Finanzautonomie der selbstverwalteten gesetzlichen Krankenversicherung ist verfehlt“, heißt es in einer am Mittwoch verbreiteten Resolution des Verwaltungsrats des GKV-Spitzenverbandes.

Forderung: Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel senken

Darin fordern die Verwaltungsrätinnen und -räte, die Beiträge zur Gesundheitsversorgung von ALG-II-Beziehern aus Steuermitteln „auf ein kostendeckendes Niveau“ anzuheben. Die Kassen erheben diese Forderung seit Jahren und beziffern die bei den Beitragszahlern abgeladenen Mehrkosten auf rund zehn Milliarden Euro im Jahr.

Entlastung in Höhe von fünf Milliarden Euro im Jahr könne zudem auch die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Arznei- und Hilfsmittel von 19 auf sieben Prozent schaffen. „Es ist nicht nachzuvollziehen, warum (lebens-)notwendige Humanarzneimittel höher besteuert werden als zum Beispiel Süßigkeiten, Katzenfutter oder Tierarzneimittel“, argumentieren die Verwaltungsräte im Resolutionstext.

Gleichzeitig müsse auch die im Koalitionsvertrag aufgeführte Dynamisierung des Bundeszuschusses regelhaft umgesetzt werden. Im kommenden Jahr soll der Bundeszuschuss um zwei Milliarden über dem aktuell geltenden Regelsatz von 14,5 Milliarden Euro im Jahr liegen, also deutlich unter der von der GKV geforderten Summe.

Höherer Zusatzbeitrag nicht ausgeschlossen

Die Deckungslücke im kommenden Jahr wird derzeit auf 17 Milliarden Euro beziffert. Im Oktober wird der Schätzerkreis das erwartete Defizit konkretisieren. Die Krankenkassen argumentieren seit Bekanntwerden der Pläne, dass vor allem die Beitragszahler selbst zur Kasse gebeten würden.

Einmal durch den sich abzeichnenden höheren Zusatzbeitrag und zum anderen durch den Zugriff des Bundes auf die aus Beiträgen gebildeten Finanzreserven der Kassen sowie zurückzuzahlende Darlehen.

Vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten müsse eine Belastung durch höhere Beiträge daher vermieden werden, heißt es in der Resolution. Im Augenblick hält das dafür verantwortliche Gesundheitsministerium eine Anhebung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags um 0,3 Prozentpunkte für „nicht unrealistisch“. (af)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Adipositas mit und ohne Typ-2-Diabetes

Wann Inkretinmimetika für Kinder und Jugendliche?

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

© metamorworks / Getty Images / iStock

Krebsmedizin auf neuen Wegen

Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kohlenhydrate, Apfelessig, Gottesnahrung und Süßstoffe

Vier Ernährungs- und Blutzuckermythen im Faktencheck

Lesetipps
Ein Arzt verabreicht einem älteren Patienten in der Praxis eine Spritze.

© InsideCreativeHouse / stock.adobe.com

US-Datenbank-Analyse

Hochdosierter Influenza-Impfstoff könnte Demenz vorbeugen

Eine Illustration einer kompletten Lunge, die auf zwei Händen gehalten wird.

© Tahir/Generated with AI/stock.ad

Erfolgreiche Überbrückung bis zur Transplantation

Schwer an ARDS Erkrankter überlebt Entfernung beider Lungenflügel