WifOR-Institut

„Gesundheit zieht die Wirtschaft wie eine Lokomotive“

Die Gesundheitswirtschaft wirkt in der gegenwärtigen Krise antizyklisch, das WifOR-Institut erwartet hier sogar einen Beschäftigungsaufbau.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 20.05.2020, 09:40 Uhr
„Gesundheit zieht die Wirtschaft wie eine Lokomotive“

Kräftiger Antrieb: Für die Wirtschaft ist das die Gesundheitsbranche.

© helmutvogler - stock.adobe.com

Insbesondere der Kernbereich der Gesundheitswirtschaft mit seinem hohen Anteil an öffentlicher Finanzierung – rund 80 Prozent – wird einen erheblichen Anteil zur Stabilisierung der Gesamtwirtschaft in der gegenwärtigen Rezession leisten. Dazu trägt auch bei, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn neun Milliarden Euro zusätzlich für die medizinische und pflegerische Versorgung mobilisieren will. Das prognostiziert der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dennis Ostwald vom Darmstädter WifOR-Institut, das im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung erstellt.

Aus den Erhebungen weiß man, dass von jedem Euro, der in der Gesundheitswirtschaft ausgegeben wird, ein zusätzlicher Effekt an Wertschöpfung in Höhe von 80 Cent in der übrigen Wirtschaft entsteht.

Für die Krankenhausversorgung erwartet Ostwald, dass es weitgehend gelingen kann, die seit Februar verschobenen elektiven Eingriffe bis zum Jahresende nachzuholen. Die Freihaltung von Intensivkapazitäten für die Versorgung von schwererkrankten COVID-19-Patienten und die Rückstellung aufschiebbarer Behandlungen hat nach einer Umfrage des Marburger Bundes zwar zu Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzung oder ungeplantem Urlaub geführt.

Arbeitsspitzen in der zweiten Jahreshälfte

Das werde sich in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich umkehren und zu Arbeitsspitzen führen, sagte Ostwald im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Nicht ganz so eindeutig sei die Prognose für den ambulanten Sektor, in dem die Auswirkungen der Pandemie sehr heterogen seien. Wahrscheinlich würden Patienten aus Furcht vor möglichen Infektionen im Wartezimmer niedergelassene Ärzte zurückhaltender in Anspruch nehmen als vor der Pandemie. Insofern werde es schwierig sein, bis zum Jahresende die Ausfälle der Monate März bis Mai zu kompensieren.

Da Humanressourcen das wichtigste Kapital sind, bleibt die Gesundheitswirtschaft eine Jobmaschine.

Professor Dr. Dennis Ostwald, WifOR-Institut, Darmstadt

Dennoch: Aufgrund des hohen Anteils der öffentlichen Finanzierung sei das Geschäftsmodell der im Kernbereich der Gesundheitswirtschaft außerordentlich stabil. „Da Humanressourcen das wichtigste Kapital sind, bleibt die Gesundheitswirtschaft eine sichere Jobmaschine. Wahrscheinlich wird es hier sogar einen Beschäftigungsaufbau geben“, prognostiziert Ostwald.

Wie entwickelt sich der Gesundheitstourismus?

Schwieriger dürfte es für die erweiterte Gesundheitswirtschaft werden, die in manchen Regionen wir Mecklenburg-Vorpommern, einen bedeutenden Beitrag zur Gesamtwirtschaft leistet. Ob beispielsweise der Gesundheitstourismus in diesen Regionen wieder rasch anlaufe oder sogar als Substitut für den Auslandsurlaub in Betracht kommt, sei aber Spekulation.

Einen unmittelbar bevorstehenden europäischen Paradigmenwechsel erwartet Ostwald für den Arzneimittelsektor und die Versorgung mit Medizinprodukten. Es werde aller Voraussicht nach hohe Anstrengungen geben, Wertschöpfungsketten in der Produktion von Arzneimitteln, insbesondere von essenziellen Wirkstoffen von China und Indien wieder nach Europa zu verlagern. Davon könne auch der Produktionsstandort Deutschland profitieren. Dies müsse auch für die Produktion von Impfstoffen geschehen; in diesem Sektor sei China im Moment erneut schneller als Europa.

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