Ambulant oder stationär?

Gesundheitszustand soll alleiniger Gradmesser sein

Modellprojekte sollen in Bayern neue Ansätze für die bessere Vernetzung der medizinischen Versorgung liefern.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht: 07.01.2020, 11:04 Uhr
Gesundheitszustand soll alleiniger Gradmesser sein

Die CSU-Landtagsfraktion wünscht sich eine sektorenübergreifende Versorgung Hand in Hand. © stokkete / stock.adobe.com

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München. In Bayern soll die Gesundheitsversorgung künftig sektorenübergreifender erfolgen als bisher. Auf Initiative der CSU-Landtagsfraktion sollen anhand von Modellprojekten neue Ansätze zur besseren Vernetzung der medizinischen Versorgung entwickelt und erprobt werden. Der Haushaltsausschuss im Bayerischen Landtag hat dem Antrag bereits zugestimmt.

Eine gute Zusammenarbeit von Hausärzten, Fachärzten, Krankenhäusern, Pflegediensten, Apotheken und anderen Leistungserbringer im Gesundheitssystem ist für die Sicherstellung einer flächendeckenden und möglichst wohnortnahen medizinischen Versorgung auf hohem qualitativem Niveau unverzichtbar, stößt in Bayern allerdings an ihre Grenzen.

„Die Zusammenarbeit von verschiedenen Trägern und unterschiedlichen Berufsgruppen im Gesundheits- und Pflegebereich ist deutlich verbesserungswürdig“, so Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Landtag, über den Stand der Dinge.

Zeit des Handelns gekommen

Um die medizinische Versorgung in Bayern besser untereinander zu verzahnen, müssten zunächst die starren Sektorengrenzen zwischen dem ambulanten und dem stationären Bereich aufgelöst werden. „Hierüber reden wir schon sehr lange. Nun ist die Zeit des Handelns und Umsetzens gekommen“, sagt Seidenath.

Allein der Gesundheitszustand sollte der Gradmesser sein, ob eine Behandlung stationär erfolgen müsse oder auch ambulant erbracht werden könne, ergänzt Fraktionskollege Klaus Holetschek. Dazu sei mehr Flexibilität im System erforderlich.

„Wir müssen raus aus den Schubladen und das Gesamtsystem neu denken“, so der CSU-Gesundheitsexperte. Dabei sollten auch radikale Maßnahmen erlaubt sein. Wenn es dazu nötig sei, die Sektoren aufzulösen und neu zusammenzusetzen, sollte auch das möglich sein.

Modellprojekte in Regionen

Wie die besten Lösungen aussehen könnten, sollen in einem ersten Schritt Modellprojekte in einzelnen Regionen des Freistaats zeigen, die später auch auf andere Teile Bayerns übertragen werden könnten.

Als Basis könnten nach Worten der beiden CSU-Gesundheitsexperten die bereits existierenden regionalen Netzwerke aus dem Projekt „Gesundheitsregionen plus“ dienen, die seit 2015 als ein Netzwerk für eine verbesserte Kommunikation, sowie Vernetzung der Versorgungsangebote und der Akteure im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich sorgen und in manchen Regionen deutlich zu einer Optimierung in der Gesundheitsvorsorge und -versorgung beitragen. „Wir stecken gerade die Fühler aus und fragen bei einigen Gesundheitsregionen an“, so Seidenath.

Eine Finanzierung sei über Staatsmittel denkbar, doch ebenso gut könnte das Geld aus dem Innovationsfonds der Bundesregierung kommen. Mit dem Ziel, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern, fördert dieser innovative sektorenübergreifende Versorgungsformen und die patientennahe Versorgungsforschung.

„Unser Modellprojekt ist der ideale Anwendungsfall für den Innovationsfonds“, ist Seidenath überzeugt. Nicht nur hinsichtlich der Inhalte und Ziele gebe es eine große Übereinstimmung, auch habe man bereits einen Partner aus der Kassenlandschaft für das Projekt gefunden. Aus Gesprächen mit Vertretern der Barmer gebe es die entsprechenden Signale. Wenn diese abgeschlossen seien, werde der Antrag gestellt.

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