Hämotherapie-Richtlinie

Gremium lenkt bei Blutspendeverbot für Schwule ein

Womöglich hat das Drängen von Minister Spahn gewirkt: Schwulen soll es erleichtert werden, Blut zu spenden. Die maßgeblichen ärztlichen Gremien schlagen eine deutliche Lockerung des derzeitigen De-facto-Verbots vor.

Veröffentlicht:
Das fließt das Blut – künftig vielleicht auch von mehr MSM?

Das fließt das Blut – künftig vielleicht auch von mehr MSM?

© Fleig / Eibner-Pressefoto / picture alliance

Berlin. Der Ausschluss für Homosexuelle bei der Blutspende könnte in Kürze schon deutlich gelockert werden. Darauf deutet ein Schreiben der Bundesärztekammer (BÄK) an Gesundheitsminister Jens Spahn hin, das der „Ärzte Zeitung“ vorliegt. Hintergrund sind gemeinsame Beratungen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Arbeitskreises Blut sowie eines entsprechenden BÄK-Beirats.

Sie hatten sich Ende Mai darauf verständigt, dass künftig „Personen, die seit mindestens vier Monaten ausschließlich in einer derartigen Partnerschaft sexuell aktiv sind, ohne Rückstellung Blut spenden“ dürfen. Mit „derartige Partnerschaft“ sind Paare gleich welchen Geschlechts gemeint, die „Sexualverkehr ausschließlich innerhalb einer auf Dauer“ angelegten Beziehung haben.

Bislang gilt nach der Hämotherapie-Richtlinie, dass Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und Heterosexuelle mit promiskuitivem Sexualverkehr erst nach zwölf Monaten Enthaltsamkeit Blut spenden dürfen. Über das Verbot hatte es zuletzt heftige Debatten auch im Bundestag gegeben.

Änderungen vermutlich schon im September

Eine Blutspende könnte dem Schreiben zufolge künftig auch für Personen mit promiskuitivem Sexualverkehr möglich werden, wenn sie dieses „Risikoverhalten“ vor mindestens vier Monaten eingestellt haben. „Spätestens nach vier Monaten können Infektionen mit HBV, HCV oder HIV sicher ausgeschlossen werden“, begründen die Autoren den Schwenk.

„Eine Zulassung zur Spende vier Monate nach Beendigung des sexuellen Risikoverhaltens führt nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfängerinnen und Empfänger von Blut und Blutprodukten“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Die Erkenntnisse sollen nun in Beratungen am 21. Juni diskutiert werden. Die BÄK will sich am 24. Juni damit befassen. Im September könnte Einvernehmen über eine mögliche Änderung der Richtlinie hergestellt werden, schreibt Kammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt. (nös/af)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Nikotinsucht

Rauchentwöhnung: Neue Materialien für Hausarztpraxen

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
In Deutschland leben derzeit etwa 96.700 Menschen mit einer HIV-Infektion.

© Jo Panuwat D / stock.adobe.com

Unternehmen im Fokus

Wie können wir die HIV-Epidemie beenden?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried b. München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven

Lesetipps
Eine Blutprobe zur Bestimmung von vier kardiovakulären Schlüsselmarkern.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Ein Mann fasst sich mit der Hand ans Herz. Eine andere Person hält eine Tablette in die Kamera.

© kooshevoy / Fotolia

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

Eine Reihe von Sportutensilien (Fußball, Tennisschläger, Springsseil, etc.) in einer Sporttasche, die auf dem Boden steht.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

US-Analyse

Was Bewegung bei diesen sieben Krebsarten bringt