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Abrechnungsbetrug

Großrazzia bei Ärzten und Apothekern

In Norddeutschland kam es zu einer Großrazzia wegen Abrechnungsbetrugs. Der Vorwurf: Ärzte, Apotheker und Pharma-Manager sollen beim lukrativen Geschäft mit Zytostatika gemeinsame Sache gemacht haben.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug mit Zytostatika haben Ermittler 47 Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht.

Wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug mit Zytostatika haben Ermittler 47 Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht.

© Christian Charisius/dpa

Hamburg. Großrazzia bei Ärzten, Apothekern und Pharmaherstellern in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein: Wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs mit Zytostatika haben rund 420 Polizisten am frühen Dienstagmorgen 47 Objekte in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen durchsucht. Das bestätigt Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Durchsucht wurden laut dpa Büros, Praxen, Wohnungen, Apotheken und ein Krankenhaus. Die Ermittlungen richteten sich gegen 14 Beschuldigte, darunter neun Ärzte, drei Apotheker und zwei Geschäftsführer von Pharmafirmen, erklärt Frombach.

Betroffen war laut Presseagentur auch eine Apotheke in der Hamburger Innenstadt. Polizisten trugen dort am Morgen Umzugskartons zum Abtransport der Beweismittel in die Geschäftsräume, hieß es.

An dem Einsatz seien sechs Staatsanwälte beteiligt gewesen. „Es geht um Bestechung und Bestechlichkeit bei der Verschreibung von Zytostatika“, so Frombach.

Ärzte durch Vorteile gebunden?

Anscheinend haben alle Beschuldigten zusammengearbeitet. Die Apotheker werden verdächtigt, dass sie „die Ärzte durch verschiedene Vorteile an sich gebunden haben“, so Frombach. „Zum Beispiel durch das Sponsoring von Praxiseinrichtungen.“

So sollte möglicherweise erreicht werden, dass die Praxen ihre Zytostatika-Rezepte nur noch über die betreffende Apotheke abwickeln. Die Staatsanwaltschaft hat 2018 aufgrund einer anonymen Anzeige die Ermittlungen aufgenommen.

Es geht um Bestechung und Bestechlichkeit bei der Verschreibung von Zytostatika.

Nana Frombach, Sprecherin Staatsanwaltschaft Hamburg

Wie hoch der Schaden ist, sei noch unklar, sagt Frombach. „Wir sind mitten in den Ermittlungen und haben erst von einer Kasse eine Bewertung bekommen – sie beläuft sich auf acht Millionen Euro.“

Der Gesamtschaden dürfte deutlich höher liegen. Haftbefehle gegen die Beschuldigten lägen jedoch nicht vor, zunächst gehe es darum, die Anfangsverdachte zu erhärten.Auch bei einem Pharmaunternehmen in Hamburg-Tonndorf war die Polizei im Einsatz. Nach Berichten von „Zeit online“ und „Panorama“ soll es Ärzte bestochen haben, um an Rezepte für Krebspatienten zu kommen.

Neben sogenannten „Kickback-Zahlungen“ von mehr als einer halben Million Euro hätten die Ärzte auch rückzahlungsfreie Darlehen, Luxusfahrzeuge zur Nutzung oder Praxiseinrichtungen erhalten, hieß es.

Die Rezepte seien dann an eine konzernnahe Apotheke gegangen und zu unrecht bei den Kassen abgerechnet worden. Allein bei der Techniker Krankenkasse liegt der Betrugsschaden den Berichten zufolge bei 8,6 Millionen Euro. Die Krankenkasse wollte sich auf dpa-Nachfrage nicht zu dem laufenden Verfahren äußern.

Falschabrechnung auch im Osten

„Das Ganze ist schon ein Klassiker – Zytostatika-Verordnung gegen Geld kommt nicht selten vor“, kommentiert Dina Michels von der Kaufmännischen Krankenkasse in Hannover. „Solche Fälle haben wir immer wieder.“

Seit es den Strafbestand „Korruption im Gesundheitswesen (§ 299a StGB)“, gibt, seien die Staatsanwaltschaft wach geworden, deutet Michels. Sie müssen nun im Zweifel die Unrechtsvereinbarung zwischen Ärzten und Apothekern nachweisen sowie die wirtschaftlichen Vorteile, die beide gegebenenfalls aus dem Handel gezogen haben.

Erst im November kam es in der Nähe Leipzigs zu einer Razzia in Arztpraxen und Privatwohnungen wegen Abrechnungsbetrugs. Durch Falschabrechnungen soll hier in den vergangenen fünf Jahren ein Schaden von mehr als 2,5 Millionen Euro entstanden sein. (mit Material von dpa)

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