Direkt zum Inhaltsbereich

Weltkrebstag

HPV-Impfung auch für Jungen gefordert

Die Hessische Krebspräventionsinitiative zieht angesichts des Weltkrebstages Bilanz: Gerade bei der HPV-Impfung sei noch viel zu tun. Ein Modellprojekt in Südhessen zeigt, wie höhere Impfraten erzielt werden könnten.

Von Jana Kötter und Anne BäurleAnne Bäurle Veröffentlicht:
Noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr sollten junge Mädchen geimpft werden. Doch die Impfquoten lassen in Deutschland zu wünschen übrig.

Noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr sollten junge Mädchen geimpft werden. Doch die Impfquoten lassen in Deutschland zu wünschen übrig.

© Fotos 593 / fotolia.com

WIESBADEN. In Sachen HPV-Impfung ist in Deutschland noch viel Luft nach oben: So müssten einerseits die Impfquoten erhöht, andererseits auch Jungen gegen die Viren geimpft werden.

Das forderten Experten bei einer Veranstaltung der Hessischen Krebspräventionsinitiative "du bist kostbar". Die Initiative, für die Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Schirmherrschaft übernommen hat, legt in diesem Jahr ihren Fokus auf HP-Viren und durch sie hervorgerufene Krebserkrankungen.

5000 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs, erklärte Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) zur Eröffnung. 1600 sterben an der Krankheit; rund 100.000 Operationen würden durchgeführt, um Krebsvorstufen zu entfernen.

Die Entscheidung, bereits 9- bis 14-jährige Mädchen zu impfen (die "Ärzte Zeitung" berichtete), sei zu spät getroffen worden, kritisierte Medizinnobelpreisträger Professor Harald zur Hausen.

"Wir müssen die Impfung vor dem ersten Sexualkontakt sicherstellen." Dringend müssten auch Knaben geimpft werden - nicht nur wegen der Ansteckungsgefahr, sondern auch wegen des eigenen Risikos, an durch HP-Viren verursachten Krebsarten zu erkranken.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Die Impfquoten in Deutschland sind aktuell niedrig. Zur Hausen sprach bundesweit von 30 bis 40 Prozent; für Hessen nannte Grüttner gar nur 22 Prozent.

Diese Quoten empfinde er als "bedrückend", so zur Hausen. Denn in Australien, wo die Impfrate wesentlich höher ist, konnten bereits erste Erfolge erzielt werden: So habe sich die Zahl der Vorstufen dort um etwa 80 Prozent verringert.

In Südhessen zeigt ein Modellprojekt, wie freiwillige Schulimpfungen helfen könnten, die Impfraten zu erhöhen. Die "Initiative Prävention" setzte sich 2013 zum Ziel, die HPV-Impfrate binnen zehn Jahren zu verdoppeln.

Nach dem Vorbild eines staatlich finanzierten Schulimpfungsprogramms in Australien, bei dem seit 2007 über sechs Millionen Impfungen durchgeführt wurden, hat im Herbst 2015 eine Impfaktion an sechs Grundschulen im Kreis Bergstraße stattgefunden.

Elternabend hat informiert

An je drei Grundschulen in Lampertheim und Bensheim führten Pädiater und Gynäkologen freiwillige Impfungen durch; die Abrechnung erfolgte über die KV Hessen wie eine in der Praxis durchgeführte Impfung. Nach einem aufklärenden Elternabend und Informationsmaterial konnten die Eltern entscheiden, ob ihr Kind in der Schule, der Praxis oder nicht geimpft werden sollte.

82 Feedback-Formulare zeigten, dass sich 93 Prozent der Eltern ausreichend informiert fühlten, diese Entscheidung zu treffen.

Insgesamt wurde an den sechs Schulen eine Impfquote von 60,5 Prozent erreicht; rund ein Drittel (34 Prozent) davon fanden direkt in der Schule statt, 52 Prozent stimmten einer Impfung in der Praxis zu. Im Vergleich zu einer hessenweiten HPV-Impfquote von 22 Prozent ein wahrer Erfolg, wie Gesundheitsminister Grüttner befand.

Enorme Impflücken identifiziert

Darüber hinaus wurden stichprobenartig 38 Impfausweise kontrolliert. Bei 42 Prozent der Kinder fanden die Mediziner Impflücken.

Laut zur Hausen, der bereits 1976 die Hypothese publizierte, dass HP-Viren eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielten, ist der HPV-Impfstoff heute eine der erfolgreichsten und sichersten Vakzinen überhaupt. Dies werde jedoch nicht von allen wahrgenommen.

"Zeitgleich zu meiner Nobelpreisverleihung taten einige ,Gesundheitserfahrene‘ ihre Meinung kund und haben so seither das Meinungsbild geprägt", sagte er in Wiesbaden. Er appellierte an Ärzte, die international vorhandenen Fakten weiterzugeben und über die Impfung aufzuklären.

Lesen Sie dazu auch: HPV-Impfung: In Zukunft weniger Fälle von Zervix-Ca?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Lesetipps
Sklerenikterus bei einem älteren Patienten

© Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Symbolbild eines Darms mit einer Lupe

© kirania / Generated with AI / Stock.adobe.com

Wandel der postoperativen Therapie

Morbus Crohn: Biologika senken das Rezidivrisiko nach Darmresektion

Sicht eines Patienten mit AMD: Das zentrale Sehen ist stark eingeschränkt durch einen dunklen Fleck.

© Tunatura - stock.adobe.com

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening