Direkt zum Inhaltsbereich

Hamburgs Vertreter gegen Blankoverordnung

Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Modellversuche der Heilmittelerbringer treffen bei den KV-Delegierten auf Widerstand.

Veröffentlicht:

HAMBURG. Die KV Hamburg befürchtet, dass die Spielräume der ärztlichen Selbstverwaltung von der Politik weiter eingeengt werden. In der jüngsten Vertreterversammlung kündigte deren Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich Widerstand gegen diese Entwicklung an und meldete "Diskussionsbedarf" mit den Parteien an. Heinrich nannte als Beispiele Auszüge aus den gesundheitspolitischen Programmen der Parteien und das jüngste Positionspapier der Friedrich-Ebert-Stiftung ("Patient First!"). "Das ist nichts anderes als ein Frontalangriff auf die Selbstverwaltung", sagte Heinrich.

Als einen solchen Angriff betrachtet er auch die gesetzlich vorgesehene Einführung einer Blanko-Verordnung von Heilmitteln in Eigenverantwortung von Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden. Die Vertreter stufen diese Verordnung als "sachwidrig, qualitätsmindernd und sozialpolitisch fehlsteuernd" ein.

Die Ausgestaltung der Modellversuche durch die Kostenträger unter Ausschluss der Selbstverwaltung sei "völlig inakzeptabel geregelt", heißt es in einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Nun erwarten die Vertreter eine "fatale Kosten- und Mengenausweitung" sowie eine schlechtere Patientenversorgung. Heinrich forderte von seinen Kollegen Gegenwehr gegen Versuche, anderen Berufen originäre ärztliche Aufgaben zu übertragen – ohne diesen die gleiche Verantwortung aufzubürden wie den Ärzten.

Auch der neue KBV-Vorstand und ausgeschiedene KV Hamburg-Vorstand Dr. Stephan Hofmeister hält es für richtig, dass Ärzte "die Politik spüren lassen, dass man uns nicht einfach herumschubsen kann". Um Wut und Unverständnis zum Ausdruck zu bringen, sieht er aber eher die ärztlichen Verbände als die KBV in der Pflicht. Wenn die KBV bei ihrer Arbeit künftig ein "leiseres Konzept" verfolge, bedeute dies nicht, "dass wir keine Wut im Bauch hätten", so Hofmeister, der in Hamburg mit stehendem Applaus verabschiedet wurde.

Bis zur Entscheidung über einen Nachfolger für seinen vakanten Posten im Hamburger KV-Vorstand trägt dort Walter Plassmann allein die Verantwortung. (di)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ministerium hat noch Nachfragen zu Beschluss

Honorarkürzung Psychotherapie: BMG gibt noch kein grünes Licht

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hautkrebs

Wie sich das Bräunen im Solarium auf das Melanom-Risiko auswirkt

Lesetipps
Bakterien im Blutgefäß

© Artur / stock.adobe.com

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Grafik eines übergewichtigen Menschen und einem EKG

© Dr_Microbe/stock.adobe.com

Kardiometabolische Erkrankungen

Adipositas und Vorhofflimmern: Besteht ein direkter Zusammenhang?

Apixaban, ein orales Antikoagulans zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

© Soni's / stock.adobe.com

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?