Hausärzte demonstrieren gegen KV-Führung

Die Vertreterversammlung der KV Westfalen-Lippe hat mit deutlicher Mehrheit einen Misstrauensantrag und Rücktrittsforderungen gegen den Vorsitzenden Dr. Ulrich Thamer zurückgewiesen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

Hausärzte hatten Thamer sowohl den Abschluss eines Hausarztvertrages der KVWL mit ärztlichen Verbänden und Krankenkassen vorgeworfen als auch das schlechte Abschneiden vieler westfälisch-lippischer Ärzte bei der Honorarreform. Genau wegen dieser beiden Faktoren waren rund 100 Mediziner, vor allem Hausärzte, in die VV gekommen, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Mit Trillerpfeifen und empörten Zwischenrufen unterbrachen sie immer wieder Thamers Bericht zur Lage.

KV-Chef Thamer sieht Ziele der Reform nicht erreicht

"Die KV versagt seit 20 Jahren, die Sklaven wollen nicht mehr", riefen aufgebrachte Hausärzte, oder: "Wir hören jedes Jahr, dass es im nächsten Jahr besser wird", "Wir wollen Gerechtigkeit" und "Herr Thamer, Sie spalten die Hausärzte". Demonstranten forderten wiederholt "Köhler muss weg" und "Thamer muss weg".

"Wir sind die Projektionsfläche für alle Unzulänglichkeiten im System, das nehmen wir auf uns", sagte Thamer. Die Wut und Verzweiflung vieler Kollegen über die Folgen der neuen Honorarsystematik sei berechtigt, betonte er. Da die KVen aber die regionale Honorarverteilungskompetenz verloren hätten, seien dem KVWL-Vorstand an vielen Stellen die Hände gebunden.

"Das Ziel der Reform: gleicher Preis für gleiche Leistung ist nicht erreicht worden", sagte Thamer. In Westfalen-Lippe würden die Regelleistungsvolumina nicht zur Aufrechterhaltung der Regelversorgung ausreichen. Gerade bei den großen Versorgerpraxen gebe es große Verwerfungen. "Indem ich mich immer wieder zum System bekenne, mache ich mich mitverantwortlich für die Verwerfungen", betonte der Vorsitzende des westfälisch-lippischen Hausärzteverbands Dr. Norbert Hartmann. "Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken, neue Wege zu beschreiten." So wie Hartmann warfen auch andere Delegierte dem KVWL-Vorstand in der Honorarpolitik eine schlechte Positionierung vor.

Hausarztvertrag der KV mit der AOK ist sehr umstritten

Die schärfste Kritik gab es aber am Abschluss des Hausarztvertrages. "Man hat sich für einen Judaslohn bei der AOK eingekauft, um uns vom Verhandlungstisch wegzukriegen", kritisierte Allgemeinmediziner Dr. Carl-Hans Biedendieck. Sein Kollege Dr. Jürgen Bartels warf dem Vorstand vor, den beratenden Fachausschuss für Hausärzte vor Abschluss des Vertrags nicht befragt zu haben.

"Aus Protest habe ich meine Funktion als Sprecher der Hausarzt-Fraktion in der VV niedergelegt", berichtete Bartels. Thamer wiederholte die Einschätzung, dass sich der Vorstand bei Aushandeln und Abschluss des Hausarztvertrags korrekt verhalten habe. "Es geht hier nicht um Inhalte, sondern es geht um die Verteilung von Macht, und das gilt für beide Seiten", sagte er. Die innerärztliche Auseinandersetzung sei das Letzte, was die Ärzteschaft im Moment brauche, sagte die Chirurgin Dr. Ursula Pruss-Kaddatz. "Wir geben ein beschämendes Bild nach außen ab. Es darf nicht der Kampf jeder gegen jeden ausbrechen", mahnte sie.

Bei der entscheidenden offenen Abstimmung stimmten nur acht Delegierte für den Misstrauensantrag gegen Thamer, auch viele Hausärzte lehnten ihn ab oder enthielten sich.

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