Arzneimittelpolitik

Höherer Herstellerrabatt drückte Investitionen der Industrie

Politische Entscheidungen zulasten der Industrie können sich auf die Investitionstätigkeit von Unternehmen auswirken. Der vfa hat beim Herstellerrabatt auf Arzneimittel nachgerechnet.

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Berlin. Die Erhöhung des Herstellerrabatts auf Arzneimittel von 2010 bis 2014 hat unmittelbare Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der pharmazeutischen Unternehmen gehabt. Das geht aus Berechnungen hervor, die der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland (vfa) im aktuellen Branchen-Brief MacroScopePharma vorgelegt hat.

Von 2010 bis 2014 waren die Herstellerrabatte um zehn Prozentpunkte von sechs auf 16 Prozent angehoben worden. Ziel war es damals gewesen, nach der Finanzkrise die Ausgaben der Krankenkassen zu drücken. Die Folge sei damals gewesen, dass die Investitionen in der pharmazeutischen Industrie um rund zwei Milliarden Euro zurückgegangen seien, schreibt der vfa in einer Mitteilung. Die Schwankungen um den Investitionstrend seien bis in das Jahr 2009 vergleichsweise gering ausgefallen, die positiven und negativen Abweichungen hätten sich in etwa ausgeglichen. Mit der Erhöhung des Herstellerrabatts im Jahr 2010 seien dann die Investitionen der pharmazeutischen Industrie deutlich zurückgegangen und hätten sich erst im Jahr 2014 wieder sichtbar dem langfristigen Investitionstrend angenähert. Im Jahr 2014 war der Herstellerrabatt unter dem Strich wieder auf sieben Prozent reduziert worden.

Wirkung wie zusätzliche Gewinnbesteuerung

„Die zusätzlichen Belastungen hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanzen und nahmen den Unternehmen Investitionsspielräume“, schreibt Dr. Claus Michelsen, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik des vfa, im MarcoScopePharma. Sie hätten wie eine zusätzliche Gewinnbesteuerung gewirkt, eine Möglichkeit zur Preisanpassung habe es nicht gegeben. Die Folge, so Michelsen: Die verlorenen Investitionen seien ein unmittelbarer Verlust in der Leistungsfähigkeit der Industrie gewesen, der sich über Jahre in einer geringeren Wertschöpfung niedergeschlagen habe.

Gerade jetzt brauche Deutschland jedoch mehr Investitionen unter anderem in moderne Produktionsanlagen und energieeffiziente Infrastruktur, um den anstehenden Strukturwandel bewältigen zu können. (ger)

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